Jüdische Volksmassen, glaubt nicht an solche Märchen! Sie wurden von jenen Juden ausgestreut, die im Dienste der Gestapo stehen. Damit verfolgen die blutigen Mörder ihr Ziel. Sie wollen die jüdische Bevölke- rung dadurch beschwichtigen, um dann später die Aussiedlungen ohne Schwierigkeiten mit geringem Kraftaufwand und wenig deutschen Opfern durchführen zu können. Sie wollen verhindern, daß die Juden Verstecke suchen oder Widerstand leisten.
Juden, redet diese Lügen nicht nach!
Helft den Agenten nicht. Diesen verbrecherischen Gestapospitzeln wird es heimgezahlt werden.
Jüdische Volksmassen, die Stunde naht. Ihr müßt bereit zum Widerstand sein! Ihr dürft euch nicht wie die Hammel abschlachten lassen! Kein einziger Jude soll mehr in die Waggons verladen werden! Wer sich nicht aktiv am Widerstand beteiligen kann, soll ihn passiv leisten, das heißt, er soll sich verstecken. Wir erhielten jetzt eine Nachricht aus Lemberg, daß dort die jüdische Polizei selbständig eine Aussiedlung von 3 000 Juden durchführte 1%). So etwas wird in Warschau nicht ge- schehen! Das beweist jenes Attentat auf Lejkin. Unsere Parole muß jetzt sein:
Jeder sei bereit, wie ein Mensch zu sterben!
Jedes Haus muß zur Festung werden'°°)
Informations-Bulletin'*) des Ghettos Nr. 912
27. Januar 1943
Im Hinblick auf die letzten Ereignisse im Ghetto!%) rufen wir zum Durchhalten auf. Am einfachsten geschieht das durch dauernden Wider- stand mit der Waffe in der Hand. Die Stunde der Erlösung vom Joch unseres schlimmsten Feindes ist nahe. Der Feind erlebt Niederlage auf
159) Das geschah am 5.—7. Januar 1943, und insgesamt kamen dabei ca. 15 000 Lem- berger Juden im Vernichtungslager Belzec um. Siehe Dr. Filip Friedman„Zaglada Zydow Lwowskich“(Die Vernichtung der Juden Lembergs), Lodz 1945, Seite 18 ff. 160) Archiv Ringelblum II.
161) Die J. K.©. gab solche Bulletins im Ghetto heraus. Es ist eines davon.
162) Siehe Seite 71„Der erste Widerstand“.
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