... Die Anzahl der durch Kugeln der Jüdischen Kampforganisation getöteten Deutschen war jedoch nicht das einzig Wichtige. Von weit größerer Bedeutung war, daß ein psychologischer Wendepunkt erreicht wurde. Allein die Tatsache, daß die Deutschen durch den unerwarteten Widerstand— so schwach er auch war— gezwungen wurden, ihren „Deportierungs“-Plan abzubrechen, war von größtem Wert. Inzwischen liefen bereits Gerüchte und Legenden über„Hunderte“ von getöteten Deutschen und die„furchtbare“ Macht der Jüdischen Kampforganisation in Warschau um. Die gesamte polnische Untergrundbewegung war für uns des Lobes voll...
>. Ende Januar erhielten wir dann auch tatsächlich 50 große Pistolen und 50 Handgranaten vom polnischen militärischen Untergrund'5”), und wir organisierten die Jüdische Kampforganisation von neuem.
Ende Januar 1943 ruft die J.K.O. zu weiterem Widerstand auf 158) An die jüdischen Volksmassen im Ghetto!
Am 22. Januar 1943 sind sechs Monate vergangen, seit die Aussied- lungen in Warschau begannen. Wir alle gedenken der Schreckenstage, in denen 300 000 unserer Brüder und Schwestern fortgeschleppt und im Todeslager Treblinka bestialisch umgebracht wurden. Sechs Monate lang lebte man nur in Todesangst und wußte nie, was der kommende Tag brächte. Von überallher erhielten wir Nachrichten über die Ausrottung der Juden im Generalgouvernement, in Deutschland und den besetzten Ländern. Jedesmal beim Hören dieser Trauerbotschaften, jeden Tag, warteten wir darauf, daß auch unsere Stunde gekommen sei. Heute wissen wir, die Hitlermörder ließen uns nur deshalb bisher am Leben, um unsere Arbeitskraft bis zum letzten Tropfen von Schweiß und Blut, bis zum letzten Atemzug auszunutzen. Wir sind Sklaven. Sobald einem aber ein Sklave nicht mehr von Nutzen ist, wird er einfach ausgerottet. Das sollte jeder von uns begreifen und sich ständig vor Augen halten. Während der letzten Wochen wurden von Leuten gewisser Kreise Gerüchte verbreitet, die von Briefen wissen wollten, welche verschleppte Warschauer Juden schrieben. Angeblich sollen diese sich in Arbeitslagern bei Pinsk oder Bobruisk aufhalten.
157) Siehe Fußnote 164. 158) Archiv Ringelblum II. In Yiddisch veröffentlicht.
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