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Oft liegt ein mit Zeitungen zugedeckter Haufen auf dem Bürgersteig. Meistens schauen schrecklich ausgezehrte Gliedmaßen oder krankhaft angeschwollene Beine darunter hervor. Das sind die Leichen der am Flecktyphus Verstorbenen. Um die Bestattungskosten zu sparen, schlep- pen die Mitbewohner sie einfach auf die Gasse. Oder es handelt sich um Obdachlose, die auf der Straße umfielen und liegenblieben.
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16. Mai 1941
Von Sonnabend— dem 10.— bis Mittwoch sammelte man in den Straßen und„Punkten“ 130 Tote zusammen. Laut Behördenverordnung dürfen die Toten nicht länger als 15 Minuten irgendwo liegen bleiben. Aber es hilft nichts! Ein Wagen fährt herum und holt die Toten ab. Um sich die Arbeit zu erleichtern, hält der Wagen vor allen„Punkten“ und fragt, ob es Tote abzuholen gibt. Diese Frage ist niemals umsonst.
IV) 29, 52 191
In der zweiten Maidekade waren Hunger und Sterblichkeit am schlimm- sten. Während der letzten Tage starben ca. 150 Menschen täg- lich.(Bis zum 15. Mai waren es 1700 Tote). Die Sterblichkeitsziffer wächst. Nachts, zwischen 1 und 5 Uhr morgens, begräbt man die Toten. Sie werden ohne Totenhemd in weißem Papier in Massengräber gelegt. Anfang konnte man einen neben den anderen legen. Jetzt fehlt es dazu bereits an Platz, weil man nicht in die Tiefe graben kann, denn dort ist Wasser. Um aber zuzuschütten, fehlt es an Erde.
... Heute war ich im Verschlag für die Toten. Ein makabres Bild! Zugedeckt mit schwarzem Papier stapeln sich da Riesenhaufen von Leichen. Wie in einem Fleischerladen. Dabei sind es fast alles Skelette. Über den Knochen sieht man nur die dünne Haut.
Auch die Selbstmordfälle durch Vergiften mit Strychnin mehren sich in letzter Zeit.
55) Prof. Dr. Ludwik Hirszfeld in Poliakov-Wulf], Seite 274.
56) Archiv Ringelblum II. Aus dem im Ghetto geschriebenen Tagebuch von Morde- chajSchwarzbard. Er ist umgekommen.
57) Archiv Ringelblum I, Seiten 142—143.
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