Innerhalb eines Jahres entstand ein ganzes Netz von Einrichtungen, die dem„Centos“ unterstanden: Kinderheime, Internate und Halb-Internate,
Kinderküchen oder sogar Kindergärten und Sammellager an den Grenzen des Ghettos.
In den geschlossenen Anstalten, die von der Ghetto-Bevölkerung sehr unterstützt wurden— es gab 20— fanden 5 000 Kinder Schutz und Obdach.„Centos“ mobilisierte auch die verschiedenen Gewerbezweige wie z. B. Bäcker, Bürstenmacher etc. Alle gaben Millionen, um Heime einzurichten. In den Halb-Internaten und Küchen wurden sogar 30 000 versorgt.
Praktisch stellten die Kinderküchen getarnte jüdische Schulen dar. Sie wurden durch die Schulorganisationen„Tarbut“®),„Ciszo“%) und das religiöse Schulwesen betreut. Alle diese waren im„Centos“ als„Komi- tee zur Ernährung der Kinder“ tätig.
Die Küchen waren in den Schulen der oben erwähnten Organisationen untergebracht; als Personal fungierten die Lehrer, die der Lehrtätigkeit eben dann nur in den arbeitsfreien Stunden nachgingen*).
In den Kinderküchen stellte man auch Kinderchöre zusammen. Etwa 60'/o aller Kinder im Ghetto wurden von den Küchen betreut und ge- nossen dort auch tatsächlich eine Erziehung.
„Centos“ veranlaßte auch, bettelnd aufgegriffene Kinder zunächst in Sonderräumen zu sammeln und sie dann einem Internat zu übergeben, nachdem sie eine gewisse Quarantäne durchgemacht hatten.
Im„Centos“ waren 1 000 bezahlte Kräfte und 2 000 Personen ehren- amtlich tätig.
Trotz all dieser Aktivitäten gab es jedoch immer noch herumstreunende Kinder und zwar bis zum Juli 1942. Zu jener Zeit begann dann die große sogenannte„Aussiedlungsaktion“*) im Warschauer Ghetto. Man zwang den jüdischen Ordnungsdienst,„Juden-Kontingente“ zur Aussied- lung bereitzustellen. Auf Betreiben des„Centos“ gelang es, daß Kinder in die Aussiedlung nicht mit hineinkamen. Als jedoch die Deutschen
45) Schulwesen mit hebräischer Unterrichtssprache.
46) Schulwesen mit yiddischer Unterrichtssprache.
47) Nach dem Kriege erkannte das polnische Unterrichtsministerium diese Geheim- Schulen sowie die damals erteilten Zeugnisse an.
48) Siehe Kapitel II.
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