Druckschrift 
Vom Leben, Kampf und Tod im Ghetto Warschau / Josef Wulf
Entstehung
Seite
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Das Lied der Bettler 32) Habt doch Mitleid, habt Erbarmen...

Seid barmherzig, gute Leute! Schenkt mir doch ein Stückchen Brot! Laßt die Krumen doch uns Armen,

Liebe Leute, nur zurück!

Hausgemeinschaften°°)

Eine der größten Errungenschaften im Ghetto war die Schaffung der sogenannten Hauskomitees. Das Wirken dieser Hausgemeinschaften brachte mit bewundernswertem Erfolg Außerordentliches zustande. Auf diese Weise wurde jedes einzelne Haus im Ghetto zu einer selbständigen kleinen Stadt mit Tausenden von Bewohnern, die unter der Oberaufsicht der Sozialen Selbsthilfe ein emsiges Eigenleben führten. Daraus ergab sich eine seltsame Situation. Der Judenrat als ausführendes Organ, die Polizei und überhaupt der gesamte Verwaltungsapparat waren so gezwungen, auf den verschiedensten Gebieten immer wieder die Unterstützung und Hilfe der Selbsthilfe-Organisationen in Anspruch zu nehmen. Es wäre sonst unmöglich gewesen, in jeneFestungen einzudringen, die so eine Hausgemeinschaft darstellte. Trotz größter Anstrengungen gelang es dem Judenrat jedoch niemals, einen grundsätz- lichen Einfluß auf die Hausgemeinschaften auszuüben.

Eine nicht weniger wichtige und sehr ehrenvolle Rolle spielten auch die Volksküchen im jüdischen Leben des Ghettos. Jeder in den Listen der Selbsthilfe aufgeführte Jude war berechtigt, kostenfreie Mahlzeiten oder doch Essen zu sehr niedrigem Preis zu erhalten. Neben den allge- meinen Volksküchen unterhielt jedoch auch jede Sozial-Gruppe oder Partei-Organisation eine eigene Küche für die Mitglieder.

32) Kaczerginski, Seite 141. Text und Musik stammen von der jungen Dichterin Pauline Braun, die im Ghetto Warschau lebte und später im Konzentrationslager Majdanek umgebracht wurde. Dieses Lied gehörte zu den Schlagern des Ghettos und wurde von der Schauspielerin und Sängerin Diana Blumenfeld, die heute in New York lebt, gesungen.

33) Turkow I, Seite 69.

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