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Vom Leben, Kampf und Tod im Ghetto Warschau / Josef Wulf
Entstehung
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(2) Der Obmann des Judenrates untersteht der Aufsicht des Kommis- sars für den jüdischen Wohnbezirk in Warschau und hat dessen Weisungen Folge zu leisten.

(3) Der Obmann des Judenrates stellt einen eigenen Haushaltsplan für die Verwaltung des jüdischen Wohnbezirks in Warschau auf, der der Genehmigung der Regierung des Generalgouvernements bedarf.

Krakau, den 19. April 1941 Der Generalgouverneur Erank

Ghetto oder Tod I 2) Amtschef in Warschau, Dr. Hummel: Die Gefahren des Fleckfiebers hätten sich infolge Nachlassens der Widerstandskraft der Bevölkerung und insbesondere der Jugend vergrößert. Die Ernährung der Ghetto- bewohner sei unzureichend. Hinzu kommen der Mangel an Reinigungs- mitteln und das enge Zusammenwohnen. Der gemeldete Fleckfieber- stand im Ghetto betrage heute 2 405 Fälle. Der tatsächliche Stand sei aber viel höher. In Warschau habe man 503, in den Kreishauptmann- schaften 589 an Fleckfieber erkrankte Polen feststellen können. An sich sei der Zusammenschluß der Juden im Ghetto ein Segen. Wichtig sei jetzt die vollkommene Abschließung des Ghettos. Dankbar habe man einen Schießbefehl des BdO., auf Grund dessen auf Juden auf den Land- straßen geschossen werden dürfe, begrüßt. Dr. Hummel berichtete dann über die praktische Auswirkung der Verhängung der Todesstrafe bei widerrechtlichem Verlassen des Ghettos. In Warschau habe man bis jetzt trotz Hinzunahme einer dritten Kammer erst 45 Todesurteile fällen können, und von diesen wären erst acht vollstreckt worden, da über jeden einzelnen Fall die Gnadenkommission in Krakau die letzte Ent- scheidung treffen müsse. Weitere 600 Anträge auf Verurteilung liegen vor. Im Wege des Sondergerichtsverfahrens sei eine wirksame Absper- rung des Ghettos unmöglich. Das Verfahren bis zur Liquidierung sei zu langwierig, es sei mit zu viel Formalitäten belastet und müsse verein- facht werden. (Am 9. September 1941)

17) Poliakov-Wulf I, Seiten 180-181 Dr. Franks Tagebücher.

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