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Vom Leben, Kampf und Tod im Ghetto Warschau / Josef Wulf
Entstehung
Seite
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Für den unbedingt notwendigen Passantenverkehr werden Passier- ausweise ausgestellt: für Reichs-, Volksdeutsche und Polen gelbe Karten; für Juden gelbe Karten mit blauem Querstrich. Die Passierausweise gelten nur in Verbindung mit einem Lichtbildpersonalausweis.

Umsiedlung ins Ghetto Warschau 122)

Die Umsiedlung der Juden aus dem Kreise Warschau-Land westlich der Weichsel geschieht nach folgendem Umsiedlungsplan: 1. Die Juden aus Piaseczno, etwa 2 500 an der Zahl, siedeln um in den jüdischen Wohn- bezirk von Warschau in der Zeit vom 22. bis 27. Januar mit je etwa 500 Personen am Tage. Die marschfähigen Juden werden durch Fuß- marsch in den jüdischen Wohnbezirk überführt. Die Transporte enden bei der jüdischen Quarantäne in der Spokojnastraße am Danziger Bahnhof. Sie werden von dem Sanitätskommando des Amtsarztes Dr. Hagen in Empfang genommen. Nach erfolgter gesundheitlicher Über- prüfung werden die eintreffenden Juden in ein Quarantänelager über- führt, und zwar vorerst in das Lager Stawkistraße 21. Die Verpflegungs- kosten für das Quarantänelager übernimmt der Ältestenrat Warschau

bzw. die Jüdische Soziale Selbsthilfe.

2. Die Fortsetzung der Umsiedlung der 1400 Juden aus Pruszkow erfoglt zu den gleichen Bedingungen am 29., 31. Januar und 1. Februar 1941. Die Umsiedlung der 700 Juden aus Jeziorna erfolgt am 28. Januar und die Umsiedlung der 320 Juden aus Wlochy am 3. Februar 1941. Die zur Aufsicht und Begleitung der Transporte erforderlichen Polizei- kräfte werden gestellt. Der Judenrat hat für die spätere Aufnahme im jüdischen Wohnbezirk nach Entlassung der Juden aus der Quarantäne Sorge zu tragen.

Warschau, den 20. 1. 1941 Der Leiter der Abteilung i.V. Mohns®)

12) Archiv des J. H. I. 13) Stellvertretender Umsiedlungsamtsleiter beim Distriktgouverneur Warschau.

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