Druckschrift 
Vom Leben, Kampf und Tod im Ghetto Warschau / Josef Wulf
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen

Unter Zugrundelegung der statistischen Angaben des Judenrates und der Inabzugbringung der Grundflächen und Friedhöfe wohnen 1108 auf einem Hektar bebauter Fläche, d. h. also 110 800 Personen auf dem Quadratkilometer der Gesamtgrundfläche und 38 000 auf dem Quadrat- kilometer bebauter und bewohnbarer Fläche.

Bemerkt sei, daß die Zahl eine Vermehrung durch eine erneut erforder- lich gewordene Umsiedlungsaktion von 72 000 Juden aus dem west- lichen Teil des Distrikts erfährt. Es muß Platz für 62 000 evakuierte Polen geschaffen werden.

Im jüdischen Wohnbezirk sind etwa 27 000 Wohnungen mit einem Zimmerdurchschnitt von zweieinhalb Zimmern. Die Belegung errechnet sich demnach auf 15,1 Personen pro Wohnung und sechs bis sieben Personen pro Zimmer.

Der jüdische Wohnbezirk ist von dem übrigen Stadtbezirk unter Aus- nützung von Brand- und Trennmauern und durch Vermauerung von Straßenzügen, Fenstern, Tür- und Baulücken abgetrennt. Die Mauern haben eine Höhe von 3 Meter und werden durch einen Stacheldraht- aufsatz um einen weiteren Meter erhöht.

Motorisierte und berittene Polizeistreifen sichern außerdem die Über- wachung.

In der Ummauerung waren zunächst zur Aufrechterhaltung des noch notwendigen Passantenverkehrs 22 Durchlässe freigehalten, die inzwi- schen auf 15 verringert wurden. An den Durchlässen wurden zunächst stärkere deutsche Polizeikräfte postiert, die später durch polnische Polizeikräfte ersetzt wurden, während die deutsche Polizei mehr die Beaufsichtigung übernahm.

Die Einheiten der deutschen Polizeiwachen für den jüdischen Wohn- bezirk bestehend aus 87 Mann unter Führung eines Oberleutnants sind in drei Wachlokalen außerhalb der Ummauerung untergebracht. Die Wachen liegen:

1. im Osten am Torplatz 1, 2. im Westen in der Gerichtsstraße 99,

3. im Norden in der Klosterstraße 12.

21