Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf etwas anderes. Ein neues Pro- blem war aufgetaucht: Transportschwierigkeiten. Die lebendige Fracht nach den Vernichtungslagern Belzec, Treblinka, Sobidor u. a. konnte nicht schnell genug verladen werden. Die Sorgen in dieser Beziehung mußten erheblich sein, denn Heinrich Himmler persönlich schrieb am 20. Januar 1943 einen flehenden Brief an den Staatssekretär im Reichs- verkehrsministerium Theodor Ganzenmüller, in dem es u. a. heißt:
„Ich benötige hier Ihre Hilfe und Unterstützung. Wenn ich die Sache schnell erledigen will, muß ich mehr Transportzüge haben, obwohl ich weiß, wie angespannt die Bahn ist und welche Forderungen man Ihnen immer stellt. Trotzdem sehe ich mich gezwungen, diese Bitte an Sie zu richten. Helfen Sie mir. Verschaffen Sie mir mehr Züge.“°)
2. Die Juden in Warschau
In der„Krakauer Zeitung“ vom 18. November 1941 fand sich der Bericht über eine Konferenz führender Persönlichkeiten des General- gouvernements. Den Vorsitz führte Dr. Hans Frank. Auf der Tagesord- nung standen die 500 000 Juden Warschaus. Genauer ausgedrückt, han- delte es sich um das Ghetto— den„Judenwohnbezirk“— in Warschau. Wie dem Bericht zu entnehmen ist, stand man auf dem Standpunkt, durch Konzentration und Abriegelung etwaige Epidemien leichter ver- hindern zu können und gleichzeitig durch eine Isolierung die Juden besser zur produktiven Arbeit anzuhalten.
Nun, Warschau war im Laufe der Geschichte schon oft der Spiegel jüdischen Schicksals.
Nachweislich lebten bereits im 14. Jahrhundert in Warschau Juden. Und gerade ihr Los ist seit damals ein schweres gewesen.
Um nur einige Daten aus den vergangenen Jahrhunderten zu nennen: Hervorgerufen durch die aufpeitschende Hetze des Franziskanermönchs und Bußpredigers Johannes Capistrano kam es bereits im Jahre 1454 zu einem Pogrom; am 22. Januar 1775 ließ Kronmarschall Lubomirski die Juden aus Warschau vertreiben und ihre Wohnungen wurden aus- geplündert; am 16. Mai 1790 kam es dann erneut zu einem Pogrom,
e) Dokument 330 des Archivs der„Hauptkommission zur Erforschung der nazistischen Verbrechen in Polen“(Glowna Komisja Badania Zbrodni Hitlerowskich w Polsce).
g


