Druckschrift 
Vom Leben, Kampf und Tod im Ghetto Warschau / Josef Wulf
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen

gleichen Tage noch folgten zwei weitere Verfügungen: einmal, daß auch alle jüdischen Geschäfte mit dem Judenstern zu kennzeichnen seien und zum anderen ein Gesetz, das Steuerbefreiung und Steuervergünstigungen für jüdische Korporationen aufhob. Am 9. Dezember 1939 versagte man Juden und jüdischen Witwen das Recht auf ihre Pension und zwei Tage später wurde jüdischen Kindern durch Gesetz der Schulbesuch untersagt.

Außerdem jedoch erschienen im Verlaufe der ersten 3-4 Monate der deutschen Besatzung in Polen neben den Gesetzen noch unzählige Durchführungsvorschriften zu den jeweiligen Gesetzen. Viele über- eifrige Lokal-Satrapen bedachtenihre Juden darüber hinaus noch mit allerlei Sonderverordnungen. Um nur ein Beispiel herauszugreifen: Der damalige Gouverneur Krakaus, Karl Gustav Wächter, ordnete bereits am 18. November 1939 das Tragen des Judensterns an. Aber er war etwas großzügiger als Dr. Frank, dessen Gesetz erst 5 Tage später erschien. Gouverneur Wächter verpflichteteseine Juden und Jüdinnen erst vom 12. Lebensjahr ab zum Tragen des Judensterns®).

Während der Jahre 1940 bis Ende 1942 erschienen dann laufend weitere Gesetze über Aufenthaltsbeschränkungen, die Anmeldung- dischen Vermögens, BestimmungenWer ist Jude°), Einsetzung von Judenräten, Gründung von Ghettos usw. Im allgemeinen und formell oblag dies alles den AbteilungenArbeit oderBevölkerungswesen und Fürsorge bei der Regierung des Generalgouvernements.

Wie gesagt, dauerte dieser wilde Gesetzesreigen bis Ende 1942, denn im Sachregister des Verordnungblattes für das Generalgouvernements des Jahres 1943 ist unter dem BuchstabenJ schon keine Rubrik Juden mehr vorhanden. Zu jener Zeit waren ihretwegen keinerlei Verordnungen mehr notwendig. Die ganze Angelegenheit lag ausschließ- lich in den Händen von Friedrich Krüger, dem Höheren SS- und Polizei- führer im Generalgouvernement. Ihm wurde die Aufgabe zuteil, die Endlösung des polnischen Judentums herbeizuführen. Die Würfel hinsichtlich dieses Problems waren einige Zeit vorher in Berlin gefal- len 9).

b) Leon Poliakov:Letoile jaune, Paris 1949, Seite 19.

c) Dr. Heinrich Gottong, Judenreferent in der Regierung des Generalgouvernements (Innere Verwaltung) war ein großer Spezialist auf diesem Gebiet.

d) Siehe Poliakov-Wulf I, Seite 116 und Poliakov-Wulf II, Seite 142(siehe auch Abkürzungen).

8