Wie Dr. Bodmer einmal selbst verriet, wäre es sein sehnlicher Wunsch gewesen, seine schrankenlose Bewunderung und Verehrung für Ludwig van Beethoven schon zu Lebzeiten des Meisters als dessen selbstloser Freund— wie etwa Ignaz von Gleichenstein, der„Freund ohnegleichen*— beweisen zukönnen. Daßsein Geburtstag auf den vermutlichen Geburtstag Beethovens fiel, betrachtete er als einen Wink des Schicksals. Seinen Freundschaftsdienst für Beethoven erkannte er immer mehr im Zu- sammentragen der in aller Welt verstreuten ‘Handschriften und Erinnerungsgegenstände des Komponisten, der sich selbst einmal ge- wünscht hatte, alle seine Niederschriften möchten an einem einzigen Ort vereint werden.
Schon in früher Jugend entzündete sich die Begeisterung H. C. Bodmers an der idealen Gestalt Beethovens, und neben dem Studium der Musik, insbesondere des Geigenspiels und der Komposition, begann er bald mit dem Sam- meln von Beethoven-Autographen. Jenseits aller Spekulation, in der besten Tradition der . Schweizer Sammlerfamilien und Mäzene ste-
hend, galt schon Dr. Bodmers Vater als Lieb- haber von Gemälden alter italienischer und deutscher Meister, während sein Bruder Mar- tin Bodmer die heute in Genf befindliche be- rühmte„Bibliothek der Weltliteratur“ im
Sinne Goethes aufbaute. H. C. Bodmer selbst konzentrierte sich ausschließlich auf Beetho- ven-Dokumente. Im alten Patrizierhause„Zur. Arch“. in Zürich hütete er in drei eigens dafür ‚bestimmten Räumen sorgsam seine Schätze und bewahrte sie streng vor neugierigen Augen und derben Händen. Sogar wißbegierigen Beethoven-Forschern blieben sie unzugänglich. Nur wenige große Künstler und enge Freunde durften sie betrachten.
Der Katalog, den Max Unger 1939 von die- ser Sammlung herausgegeben hat, nennt H. C. Bodmers Namen nicht, er trägt nur den Titel „Eine Schweizer Beethoven-Sammlung“, worin gleichermaßen die tiefe Liebe zur Schweizer . Heimat wie zu Beethoven ausgedrückt ist. Die-
ser Katalog müßte beträchtlich erweitert wer- den, sollte er vollständig sein, denn auch in der folgenden Zeit war H. C. Bodmer stets auf dem internationalen Autographenmarkt vertreten. und konnte seiner Sammlung zahlreiche wert- volle Re hinzufügen. Noch in seiner letz-
Meg Eliot
Roman von Angus Wilson
Ins Deutsche übertragen von Helmut Lindemann Copyright by Insel-Verlag, Wiesbaden.
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Es lag Meg auf der Zunge, etwas spitz zu sagen: ‚Ihre Schüchternheit haben Sie aber ganz verloren, nicht wahr?‘, doch hielt sie noch rechtzeitig inne.„Ich habe mich oft dar- über gewundert, daß Sie einen Posten bei einer freiwilligen. Organisation übernommen ‚haben, Mr. Darlington‘“, sagte sie,„Ich bin ziemlich sicher, daß ich mich an Ihrer Stelle im Innenministerium oder bei einer Kommu- nalbehörde wohler fühlen würde.“
Er blickte sie belustigt an.„Sie reden wie mein Vater“, sagte er.„Ich vermag beim ‘besten Willen nicht einzusehen, worin der Unterschied liegen soll, ob etwas zur privaten Wohltätigkeit zählt oder nicht. Lediglich manche sehr großen Sachen klappen besser, wenn der Staat sie betreibt. Aber für wen man nun arbeitet— vermutlich sind Inspekteure des Innenministeriums und dergleichen bes- ser, sie haben eine Ausbildung hinter sich; aber genau wie Gewerkschaftsfunktionäre verlieren sie den Kontakt zu der eigentlichen Arbeit. Und warum sollten Gemeinderäte bes- ser sein als ein freiwilliger Ausschuß? Außer- dem ist es besser, daß freiwillige Wohltätig- keitsvereine, solange es sie überhaupt gibt, richtig ausgebildete Angestellte haben.“
Meg sagte:„Obwohl ich für die ‚Alters- hilfe‘ gearbeitet habe, muß ich sagen, daß ich stets gefunden habe, sie sollte eine staat-


