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Carl Goerdeler und die Deutsche Widerstandsbewegung : mit einem Brief Goerdelers in Faksimile / Gerhard Ritter
Entstehung
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u \ samer geltend machen zu können als in irgendeinem Ministerium.

Berater des Reichspräsidenten 51

Tradition beengte Aufgabe reizte auch wieder seine Tatkraft, und vor allem hoffte er, in diesem Ehrenamt ohne jede parteipolitische Bindung seine eigenen wirtschaftspolitischen Ideen noch wirk-

Dr. Luthers und Brünings Bemühen, unter allen Umständen die deutsche Währung vor neuer Inflation zu schützen und darum den Reichshaushalt im Gleichgewicht zu halten, schien ihm unbedingt richtig. Eine Nachahmung des englischen Verfahrens, durch Ab- lösung vom Goldstandard und Devalvation des Pfundes(21. 9. 1931) den eigenen Export zu steigern, schien ihm für Deutschland, das weder große Goldreservenzum Abbremsen der Inflation noch so große sichere Rohstoffmärkte auf der gleichen Währungsbasis besaß wie das Empire, unmöglich; nur wenn die Vereinigten Staaten sich dem englischen Vorgehen anschlössen, meinte er, würden wir gezwungen sein, denselben Weg zu gehen. Darüber hinaus war er grundsätzlicher Gegner aller Versuche, durch staat- liche Kreditausweitung, künstliche Schaffung vermehrten Geld- umlaufs die stockende Wirtschaft wieder anzukurbeln. Den Ge- danken von Keynes, die staatliche Finanzpolitik als wichtigstes Mittel zur Steuerung der Wirtschaft, zur Überwindung von Kon- junkturkrisen einzusetzen- ein Gedanke, der sich damals die Welt eroberte, lehnte er ebenso schroff ab wie später alle planwirt- schaftlichen Experimente eines Roosevelt(seit 1933) oder gar die Verbindung von Geldabwertung mit Lohnsteigerungen und Ver- kürzung der Arbeitszeit, wie sie die französische Regierung seit 1936 betrieben hat- für ihn das Musterbeispiel schwächlicher Popularitätshascherei in einer radikalen Demokratie. Ihm galt es als»unabänderliches Naturgesetz«, daß Geld sich nicht künstlich schaffen lasse, sondern immer nur das Ergebnis wertschaffender, harter Arbeit sei, daß nur ein ausgeglichener Haushalt die Stabili- tätder Währung sichere; daß ohne diese auch keine Belebung des Welthandels möglich sei; daß je größer die Not, um so härter ge- arbeitet werden müsse, Mangel an Absatz nur durch Senkung der Preise überwunden werden könne. Kein staatlicher Wirtschafts- plan könne an diesen Naturgesetzen etwas ändern, keine staatliche Geldausweitung echtes, die Wirtschaft befruchtendes Kapital aus dem Boden stampfen; Kapital bilde sich immer nur aus ersparten Arbeitserträgnissen, nicht aus Notendruck oder Bankwechsel- geschäften. Staatliche Subventionen für notleidende Wirtschafts- zweige verschieben nur die Steuerlast von einer Schulter auf die andere, verteilen die Gelder unter hohen Verwaltungskosten meist an die falschen Stellen und schwächen das Verantwortungs-

‚bewußtsein des Einzelunternehmers, d.h. seinen Drang, sich