Druckschrift 
I.G. Farben - Auschwitz - Massenmord : über die Blutschuld der I.G. Farben ; Dokumentation zum Auschwitz-Prozess / hrsg. von der Arbeitsgruppe der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz beim Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der Deutschen Demokratischen Republik
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen

rien,

sfüh-

ırtel,

jeder

| des wat srlin, ieder n el , die schen halb- j mit schen Far- walı, soria p mit oder re ec! nder Aus ‚klei iger dar kin

/

Wiederum, wie beim Staatsapparat, beobachten wir auch hier eine völlige Verschmel- zung von Apparat der IG-Farben und einer Gliederung der NSDAP. 3

Und noch einmal sei vermerkt, daß eine Verschmelzung von Wirtschaft und Staat und Partei keine Besonderheit in der Geschichte ist, daß sie heute überall in der Welt zu be- obachten ist, daß die Notwendigkeit eines solchen Nachweises sich nur daraus ergibt, daß sie von den Beteiligten in der Zeit des Faschismus aus Feigheit und Schuld geleugnet wird. Selten sind Erklärungen der Art wie sie von Schnitzler am 8. August 1945 abgab(Doku- ment NO NI-5196):

Durch diese Handlungsweise übernahm die IG eine große Verantwortung und stellie eine wesentliche, und auf dem chemischen Gebiet entscheidende Hilfe für Hitlers Außen- politik dar, die zum Krieg und zu Deutschlands Ruin führte. So muß ich den Schluß ziehen,

daß die IG weithin für Hitlers Politik verantwortlich ist.

*

Ich komme jetzt zu der spezifischen Frage der Verflechtung von sicherheitspolizeilichen und wirtschaftlichen Interessen bei der Einrichtung und im Betrieb des Konzentrations- lagers Auschwitz und seiner Nebenlager.

Zunächst muß ganz ausdrücklich.bestritten werden, daß sich sicherheitspolizeiliche und wirtschaftliche Interessen überhaupt fein säuberlich trennen lassen. In dem in der Bundes- republik erschienenen Buch von Raimund SchnabelMacht ohne Moral, eine Dokumen- tation über die SS, Röderbergverlag, Frankfurt am Main, 1957, S. 204 fl,, ist ein Schreiben des SS-Obergruppenführers und Generals der Waffen-SS und Chefs des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes(WVHA), Oswald Pohl, dem alle Konzentrationslager unter- standen, abgedruckt, in dem es unter dem Datum des 30. April 1942 heißt:;

1. Der Krieg hat eine sichtbare Strukturänderung der Konzentrationslager gebracht und ihre Aufgaben hinsichtlich des Häftlingseinsatzes grundlegend geändert.

Die Verwahrung von Häftlingen nur aus Sicherheits-, erzieherischen oder vorbeugenden Gründen allein steht nicht mehr im Vordergrund. Das Schwergewicht hat sich nach der wirtschaftlichen Seite hin verlagert. Die Mobilisierung aller Häftlingsarbeitskräfte zunächst

für Kriegsaufgaben(Rüstungssteigerung) und später für Friedensaufgaben schiebt sich

immer mehr in den Vordergrund.|

2. Aus dieser Erkenntnis ergeben sich die notwendigen Maßnahmen, welche eine all- mähliche Überführung der Konzentrationslager aus ihrer früheren einseitigen politischen Form in eine den wirtschaftlichen Aufgaben entsprechende Organisation erfordern.

3, Ich habe deshalb alle Führer der früheren Inspektion der Konzentrationslager, alle Lagerkommandanten und alle Werkleiter am 23. und 24. April 1942 versammelt und ihnen persönlich die neue Entwicklung dargelegt. Die wesentlichen Dinge, deren Durchführung vordringlich ist, damit die Aufnahme rüstungsindustrieller Arbeiten keine Verzögerung erleidet, habe ich in beiliegender Anordnung zusammengefaßt.

4. Die Überführung der Inspektion der Konzentrationslager in das Wirtschafts und. Verwaltungshauptamt ist im besten Einvernehmen aller beteiligten Hauptämter durch- geführt. Die Zusammenarbeit aller Dienststellen ist reibungslos, die Beseitigung des Neben- einanders in den Konzentrationslagern wird allgemein als Überwindung der den Fort- schritt hemmenden Fesseln begrüßt.

Von der sicherheitspolizeilichen Seite hat man sich also ganz auch auf wirtschaftliche

Interessen eingestellt.

Auf der anderen Seite war die wirtschaftliche Seite eifrig damit beschäftigt, der sicher-

_ heitspolizeilichen Seite zu. helfen. Im Deutschen Zentralarchiv Potsdam findet sich eine

Aktennotiz der Leuna-Werke vom 21. Dezember 1941Betr. Bauvolumen für Siedlung, Gut und KZ-Lager in Auschwitz mit u. a. Direktor Dr. Bütefisch und Direktor Dr. Ambros

115