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I.G. Farben - Auschwitz - Massenmord : über die Blutschuld der I.G. Farben ; Dokumentation zum Auschwitz-Prozess / hrsg. von der Arbeitsgruppe der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz beim Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der Deutschen Demokratischen Republik
Entstehung
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ESEL TE ST

VORWORT

Der Frankfurter Auschwitz-Prozeß wird von der internationalen Öffentlichkeit ebenso wie von der Bevölkerung in beiden deutschen Staaten mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Das Echo des Prozesses in Westdeutschland zeigt, daß die Öffentlich- keit sich von diesem Prozeß ein StückBewältigung der Vergangen- heit verspricht.

Nachdem in der ersten Phase des Prozesses die angeklagten Mörder zu leugnen versuchten, später ihre Schuld auf den hingerichteten KZ-Kommandanten Höß und die durch höchste Unterstützung ins Ausland entkommenen KZ-Arzte Eisel eund Mengele zu schie- ben suchten, mußte ein Teil der Angeklagten unter der Last der Be- weise Teilgeständnisse ablegen.

Wir ehemaligen Auschwitz-Häftlinge fragen:

Warum stehen erst heute nach 19 Jahren einige der Mörder von Auschwitz, Birkenau und Monowitz vor Gericht?

Der SS-Apotheker von Auschwitz, Capesius, der KZ-Lager-

Adjutant Mulka u.a. konnten Jahrelang wie unbescholtene Bürger unangefochten in der Bundesrepublik leben.

Die großen Rüstungskonzerne, die Milliarden am Massenmord des zweiten Weltkrieges verdienten, beherrschen heute wieder Staat und Wirtschaft in Westdeutschland. Sie stellten sich schützend vor die SS-Mörder.

Sie sind auch für Morde in den KZ verantwortlich. Ihr Profit- und Machtstreben beschwört das Gespenst eines atomaren Weltkrieges herauf. Zur Verwirklichung ihrer revanchistischen Pläne brauchen sie die finsteren Kräfte der Vergangenheit.

Wenn dennoch ein Teil dieser Verbrecher heute vor Gericht steht, so deshalb, weil die Proteste aus dem In- und Ausland und die Be- mühungen einiger Juristen nicht mehr zu überhören waren.

Wir ehemaligen Auschwitz-Häftlinge fragen: Wie ist es möglich, daß fast die Hälfte der Angeklagten trotz ihrer schweren Verbrechen auf freiem Fuß lebt?

Die SS-Arzte Lukas, Frank und Schatz können noch heute an den prozeßfreien Tagen als Ärzte in der Bundesrepublik prakti- zieren. Den beiden Lehrern Stark und Dylewski, einstmals SS-Oberscharführer, ist bis heute noch nicht die Befähigung abge-

sprochen worden, die Jugend zudemokratischen Staatsbürgern zu erziehen.

Des Mordes Angeklagte auf freiem Fuß,

Hunderte von Nazi-Juristen und Blutrichtern

in Bonner Staatsdiensten,

Nazibeamte in führenden Staatsstellen,

alte Hitler-Generäle an der Spitze der Bundesarmee

das ist die Wirklichkeit in der Bundesrepublik im Jahre 1964,