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I.G. Farben - Auschwitz - Massenmord : über die Blutschuld der I.G. Farben ; Dokumentation zum Auschwitz-Prozess / hrsg. von der Arbeitsgruppe der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz beim Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der Deutschen Demokratischen Republik
Entstehung
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Antwort: Ja.

Das heißt, IG-Vertreter und Regierungsvertreter berieten gemeinsam die Politik des Raubes ganzer Industrien. und die Pläne gingen von der IG aus. So war es in Polen, und so war es in Frankreich.

Es wäre jedoch falsch zu glauben, daß diese Verbindung nur etwa an der Spitze und in großen Fragen der Politik, wie der Beschlagnahme der Industrien eroberter Länder, bestand. So eng war vielmehr auch die Verzahnung zwischen den Büros der einzelnen Konzerne und der einzelnen Ministerien, daß man nicht mehr wußte, wer zu wem gehörte. Hören wir dazu einen anderen Herrn von IG-Farben, den Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung von 1933 bis Anfang 1938, Dr. Heinrich Gattineau, der in einer Erklärung unter Eid mitteilte(Document NO NI-4833 Office of Chief of Counsel for War Crimes):

Durch Dr. Ilgners Initiative wurde zu Beginn 1933 der Wirtschaftsführerkreis, der eng mit dem Propagandaministerium zusammenarbeitete(sogenannter F-Kreis), geschaf- fen. Dieser Kreis bestand aus Vertretern der Industrie, unter anderem Herrn v. Winterfeld (Siemens), Dr. Hahn(Mitteleuropäischer Wirtschaftstag und westliche Schwerindustrie), D.C. Fischer, Dr. Ilgner und wir für IG-Farben. Diese Organisationen setzten es sich zur Aufgabe, im Zusammenhang mit dem Propagandaministerium die Ereignisse in Deutsch- land. die für den deutschen Ruf im Ausland ungünstig waren, abzuschwächen und dafür zu sorgen, daß die Verhältnisse des ‚Neuen Deutschland im Ausland in besseres Licht gesetzt würden. Es war auch die Aufgabe des Wirtschaftsführerkreises, ungeschickte Ak- tionen des-Propagandaministeriums zu verhindern und durch geeignetere zu ersetzen

So eng ist die Verflechtung zwischen: der Bürokratie der Konzerne und der Ministerien, daß Gattineau ausdrücklich mitteilen muß, wer wen bezahlte.

Und: nun, zum Abschluß dieser allgemeinen, den Hintergrund abe hend Ausfüh- rungen eine einzige kurze Aussage über die Beziehungen von IG-Farben und NS-Partei, ebenfalls von Gattineau aus dem gleichen Dokument:.

Mit der Machtübernahme Hitlers versuchten die verschiedenen leitenden Mitglieder der IG, Anschluß an Nazikreise zu finden. Geheimrat Schmitz z.B. wurde Mitglied des Kuratoriums für dasHaus der deutschen Kunst, Mitglied des Reichstages, Prof. Selck war bei der SS, hatte seine Verbindungen daher, Georg v. Schnitzler hielt einen Salon in Berlin, um so mit:den führenden Leuten engen Kontakt zu halten. Die meisten Vorstandsmitglieder und wieleleitende Persönlichkeiten der IG-Farben wurden zu Wehrwirtschaftsführern er- nannt... Diese Titel wurden durch das Wirtschaftsministerium für Verdienste um die W Alan und Rüstungsproduktion verliehen. Die Aufgabe der wirtschaftspolitischen Abteilung war es, Verbindung mit den immer zahlreicher werdenden Regierungs- und halb- offiziellen Stellen zu halten. Unter anderem war es Aufgabe der WIPO, Verbindungen mit der Auslandsorganisation der NSDAP aufrecht zu erhalten. Wir verschafften die politischen Unbedenklichkeitserklärungen der AO, die für die Ausreise der Angestellten der IG Far- ben erforderlich waren. Eine der Bedingungen für die Erteilung dieser Bewilligung war, daß die ausreisenden Herren sich im Ausland bei der AO melden und im nationalsozia- listischen Sinne betätigen mußten. Diese Unbedenklichkeitserklärung wurde nur Leuten mit einer bejahenden Stellung zum Nationalsozialismus erteilt, d. h., daß politische Gegner oder Nichtarier diese Bewilligung nicht erhalten konnten. Soweit die Reisenden Funktionäre in einer Parteiformation waren, mußten sie sich auch nach Rückkehr bei der AO zwecks Berichterstattung über die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen der betreffenden Länder melden. Vielfach kam es auch vor, daß leitende Angestellte der IG-Farben im Aus- land, darunter auch viele Verbindungsmänner, gleichzeitig Funktionen in der AO beklei- deten. Alle deutschen Vertreter der IG unterstanden natürlich der politischen und sonstigen Kontrolle der AO. Die AO wollte und IG-Farben willigte ein und bestand nach 1937 dar-

auf, daß die IG-Vertreter, soweit sie Deutsche waren, im Ausland sich an sämtlichen Aktivi

täten und Veranstaltungen der AO beteiligten.

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