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(29) Aus dem Bericht des Hauptsturmführers Dieter Wisliceny über den Ablauf
der Vernichtungsaktionen in den einzelnen Ländern und die Rolle von Eichmann
Mit der Durchführung der Deportation nach den Lagern Auschwitz und Lublin waren in Österreich und Böhmen/Mähren die„Zentralstelle” in Wien bzw. das„Zentralamt” in Prag beauftragt. Im Reichsgebiet waren hierfür die örtlichen Staatspolizeistellen und in Polen die„SS- und Polizei- führer“ zuständig. In die besetzten Gebiete hatte Eichmann zumeist eigene Kommandos entsandt, die organisatorisch bei dem„Befehlshaber der SIPO und des SD” eingebaut waren. Bei der Deportation aus den besetzten Gebieten und den mit Deutschland verbündeten Ländern ging Eichmann von den gegebenen politischen Möglichkeiten aus, wobei er es zunächst vermied, durch Anwendung von politischer Pression außenpolitische Schwierigkeiten hervorzurufen. Dieses Vor- gehen entsprach auch dem Bemühen, die ganze Aktion so unauffällig und geheim wie möglich ablaufen zu lassen. Erst später 1943/44 ist er von diesem Prinzip abgegangen. Daß diese Be- hauptung richtig ist, zeigt am besten die Gegenüberstellung der Ereignisse in der Slowakei— und auch in Rumänien. Die Deportation aus europäischen Ländern begann gleichzeitig in Frankreich, Holland, Belgien und der Slowakei im März/April 1942. In allen diesen Ländern bemühte sich Eichmann besonders, die arbeitsfähigen Juden als erstes zu erfassen, da die Vernichtungslager in Auschwitz und Lublin erst im Entstehen waren. In Frankreich wurden zuerst die jüdischen Emigranten von der Aktion erfaßt, während die Vichy-Regierung der Deportation französischer Staatsangehöriger erst später zustimmte. In Holland und Belgien waren die Verhältnisse ähnlich. In der Slowakei lag ein klares Angebot der damaligen slowakischen Regierung zur Deportation der jüdischen Arbeitskräfte und anschließend ihrer Familien vor. Wie vorsichtig Eichmann hierbei vorging, da es sich um das erste nicht besetzte Land handelte, zeigt, daß er die Forderung auf Aberkennung der Staatsangehörigkeit und Zahlung eines„Umsiedlungsbeitrages” stellte. Er hat eine derartige Forderung später in keinem anderen Lande wiederholt. Die Annahme von Eichmann's Verlangen durch die damalige slowakische Regierung zeigt, daß diese ein Interesse an der Deporta- tion hatte. Hätte ein solches freiwilliges Angebot nicht vorgelegen, so wäre die Slowakei vermutlich vor 1944 nicht in die Deportation einbezogen worden, denn auch Ungarn und Rumänien wurden aus politischen Gründen von Eichmann zunächst zurückgestellt. In Rumänien bemühte sich der dortige„Berater“ und Polizeiattache, Richter, auf Eichmann's Befehl im Sommer 1942, die rumänische Regierung zu bewegen, auch die dortigen Juden nach Polen zu deportieren. Antonescu lehnte dies jedoch ab und führte eine eigene Aktion unter Abschiebung der Juden in die von Rumänien besetzten russischen Gebiete, besonders den Raum von Odessa, durch. Tatsächlich sind aus Rumänien
keine Juden nach den polnischen Vernichtungslagern deportiert worden, so sehr sich Eichmann
auch später noch in dieser Richtung bemühte. Während des Sommer/Herbst 1942 liefen also Aktionen aus Frankreich, Holland, Belgien und der Slowakei. Aus Kroatien wurde meines Wissens nur ein Transport aus Agram deportiert, die übrigen Juden waren entweder ins italienische oder das Partisanengebiet geflüchtet. Gegen Ende des Sommers 1942 trat ein allgemeiner Stillstand der Deportation ein. In allen Ländern hatte sich der Widerstand gegen die Deportation versteift. Dies hing besonders mit dem allgemeinen Bekanntwerden der tatsächlichen Verhältnisse zusammen. Bis zum Herbst 1942 hielt Eichmann die„Endlösung” auch vor seinen Mitarbeitern geheim. Dies war umso leichter, als diese nur höchst selten, wenn sie von Eichmann befohlen wurden, nach Berlin kamen: Erst im November 1942 hat er auf einer Tagung in Berlin einzelnen seiner Unter- gebenen Mitteilung von der Vernichtungsaktion gemacht. Derartige Tagungen hielt Eichmann jährlich nur einmal ab. Im Januar 1943 sandte Eichmann seinen Vertreter Günther nach Saloniki, um mit der dortigen deutschen Militärverwaltung wegen der Juden in Nordgriechenland, der deutschen Zone, zu verhandeln. Die Militärverwaltung plante eine Ghettobildung und örtlichen Arbeitseinsatz der Juden im Rahmen der OT. Als ich im Februar 1943 nach Saloniki ging, gab mir Eichmann noch diesen Auftrag, gleichzeitig sandte er aber Brunner nach Saloniki mit dem Befehl, die Deportation vorzubereiten. Da die Militärverwaltung sich Brunners Vorschlägen an- schloß, führte dieser die Deportation,aus Mazedonien ab Ende März bis Mitte Mai durch. Ein Versuch von mir, Eichmann unter Hinweis auf eine Fleckfieberepidemie und die ungeheure Ent- fernung zur Aufschiebung der Aktion zu veranlassen, scheiterte. Nach Abschluß der Deportation in Mazedonien— wurde Brunner, der Eichmann's höchste Gunst besaß, nach Frankreich mit seinem Kommando gesandt, um dort die Deportation zu aktivieren, da Eichmann den„Befehlshaber der
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