vier Monaten der Aktion getötet hat. Ich kannte Stahlecker persönlich, und ich bin der Ansicht, daß das Dokument authentisch ist. Man hat mir den Brief gezeigt, den BECKER an RAUFF, den Leiter der Technischen Abteilung von Amt Il, bezüglich der Verwendung dieser Gaswagen ge- schrieben hat. Ich kannte diese beiden Männer persönlich und bin der Ansicht, daß dieser Brief ein authentisches Dokument ist. j
gez. Ohlendorf (IMT, Bd. XXX1, S. 39 ff., PS-2620)
(28) Erfahrungsbericht eines Polizeioffiziers über die Liquidierung des Ghettos in Pinsk
Die Komp. traf verlastet befehlsgemäß in Kobryn ein und wurde von hier nach Pinsk in Marsch gesetzt. Eintreffen am Westausgang Pinsk 29. Oktober 1942, 4.00 Uhr.
Die am 28. Oktober 1942 in Pinsk stattgefundene Besprechung bei H. Regt.Kommandeur Oberst Kurt ergab, daß 2 Batl. und zwar XX/Pol. 15 und R.A. 2. die äußere Absperrung übernehmen, während 10./Pol. 15 und 11./Pol. 11 ohne 2 Züge mit der Durchkämmung des Ghettos beauftragt wurden, 11./Pol. 11 ohne I Zug(dieser wurde am Nachmittag ebenfalls von der Durchkämmung entbunden) war für die Bewachung am Sammelplatz, Sicherung der einzelnen Transporte zum Exekutionsplatz, der etwa 4km außerhalb Pinsk lag, und Absperrung des Exekutionsplatzes be- stimmt. Für letztere Aufgabe wurden im weiteren Verlauf der Aktion teilweise Reiter eingesetzt.
Diese Maßnahme bewährte sich tadellos, da bei einem Fluchtversuch von 150 Juden alle wieder|
ergriffen werden konnten, obwohl sich diese z.T. bis auf einige km entfernt hatten.
Die befohlene Absperrung stand um 4.30 Uhr und es zeigte sich, daß in Anbetracht der voran- gegangenen persönlichen Erkundung der eingesetzten Führer unter Wahrung der Geheimhaltung die Absperrung in kürzester Zeit stand und ein Entweichen von Juden unmöglich war.
Mit der Durchkämmung des Ghettos sollte befehlsgemäß um 6.00 Uhr begonnen werden. Infolge der noch bestehenden Dunkelheit wurde der Beginn der Durchkämmung um eine halbe Stunde verschoben. Die Juden, nun aufmerksam geworden, sammelten sich zum größten Teil freiwillig auf allen Straßen, und mit Hilfe von 2 Wachtmeistern gelang es schon in der ersten Stunde, einige Tausend zum Sammelplatz zu lotsen. Da nun der andere Teil der Juden sah, wohin es ging, schlossen sie sich dem Zuge an, so daß die vom SD am Sammelplatz in Aussicht genommene
Sichtung auf Grund des starken und plötzlichen Anlaufs nicht mehr erfolgen konnte.(Man hatte für den ersten Tag der Durchkämmung nur mit 1000—2000 Personen gerechnet.) Die erste Durch-;
kämmung war um 17.00 Uhr beendet und verlief ohne Zwischenfälle. Am ersten Tag wurden ca. 10.000 Personen exekutiert. Für die Nacht lag die Komp. in Alarmbereitschaft im Soldatenheim.
Am 30. Oktober wurde das Ghetto zum zweiten, am 31. Oktober zum dritten und am 1. November zum vierten Male durchkämmt. Es wurden insgesamt ca. 15 000 Juden dem Sammelplatz zugeführt. Kranke Juden und einzelne in den Häusern zurückgelassene Kinder wurden sofort im Ghetto auf dem Hofe exekutiert. Im Ghetto wurden ca. 1200 Juden-exekutiert. Zu Zwischenfällen kam es, bis auf einen Fall, nicht. Auf Grund dessen, daß den Juden, die Gold vergraben hatten und dieses anzeigten, das Leben versprochen wurde, meldete sich ein Jude, der vorgab, eine Menge Gold versteckt zu haben. Es ging ein Wachtmeister mit. Da der Jude jedoch dauernd zögerte und den Wachtmeister immer wieder aufforderte, mit auf den Dachboden zu gehen, brachte der Wacht- meister den Juden wieder zu einem Sammelplatz zum Ghetto. Hier weigerte sich der Jude, sich wie alle anderen Juden auf den Boden zu setzen. Plötzlich sprang der Jude einen Angehörigen der Reiterschwadron an, entwendete ihm sein Gewehr und einen Stock und hieb mit letzterem auf den Angehörigen der Reiterschwadron ein. Nur durch das Dazwischentreten von Angehörigen der Kompanie konnte dieser Angriff vereitelt werden.
(IMT, Bd. VIll, USSR-119(a), S. 328 f.; vgl. auch Lit.Nr. 46, S. 157 f.)
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