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Preisen zu verkaufen. Später schalteten sich dann in diese Vorgänge auch staatliche Stellen ein, ohne daß hierfür eine gesetzliche Grund- lage vorhanden gewesen wäre.
3. Die Selbsthilfe der Juden
Das deutsche Judentum, das politisch und religiös in verschiedene Gruppen aufgeteilt war, mußte sich unter dem Zwang der Verhält- nisse zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden. Nach längeren Ver- handlungen beschlossen 1933 alle großen jüdischen Organisationen und Gemeinden eine Dachorganisation zu schaffen, die„Reichsver- tretung der deutschen Juden”. Diese auf demokratische Weise zu- standegekommene Dachorganisation stand unter dem Vorsitz des Berliner Rabbiners Dr. Leo Baeck(1373—1956), einer der verehrungs- würdigsten Persönlichkeiten des deutschen Judentums. Neben ihn trat als geschäftsführender Vorsitzender der Stuttgarter Ministerialrat Dr. Otto Hirsch(1885—1941), der 1941 von den Nationalsozialisten in Mauthausen ermordet worden ist, und Dr. Siegfried Moses(1887), der spätere Vorsitzende der„Zionistischen Vereinigung für Deutschland”. Die Reichsvertretung hatte keine Chance, als Verhandlungspartner mit den nationalsozialistischen Stellen eine Besserung der Lage des jüdi- schen Bevölkerungsteils zu erreichen, denn dazu fehlte auf staatlicher Seite jeglicher Wille. Auch konnte sie sich nur anfangs öffentlich ge- gen die Diffamierungen wehren, denen die deutschen Juden ausge- setzt waren.(14) Ihr hauptsächliches Bemühen ging vielmehr dahin, die Arbeit der jüdischen Organisationen für folgende Hilfsmaßnahmen zu koordinieren: Vorbereitung und Durchführung der Auswanderung; Berufsumschichtung; Schul- und Bildungswesen; Wirtschaftshilfe; Wohlfahrtspflegs.
Protest gegen Verunglimpfung
Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat folgendes Telegramm an den Herrn Reichskanzler abgesandt:
„Der ‚Stürmer’ verbreitet eine Sondernummer, die unter ungeheuerlichen Beschimp- fungen und mit grauenerregenden Darstellungen das Judentum des Ritualmords be- zichtigt. Vor Gott und Menschen erheben wir gegen diese beispiellose Schändung unseres Glaubens in feierlicher‘Verwahrung unsere Stimme.”
(Jüdische Rundschau, 39. Jhrg. Nr. 36(4. 5. 1934), S. 3, Sp. 3.)
Die Durchführung dieses Programms wäre ohne die finanzielle Opfer- _bereitschaft der deutschen Juden nicht möglich gewesen. Wesentlich unterstützt wurde die Reichsvertretung außerdem durch Geldzuwen- dungen vor allem amerikanischer und englischer jüdischer Verbände. Die Hauptaufgabe bestand darin, nach der durch die Macht- ergreifung verursachten Flucht vieler politisch unmittelbar bedrohter
Beginn der„Arisierung” der Wirtschaft
Reichsvertretung der deutschen Juden
Aufgaben zur Linderung der Not


