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Programms als kleineres Übel mit in Kauf, ohne sich über die Folgen des radikalen Rassenantisemitismus Gedanken zu machen. Die Ver- wilderung der politischen Zustände in Deutschland nach 1919 spricht allerdings dafür, daß die Radauantisemiten der ersten Gruppe den Ton angaben. Von 1923 bis 1932 wurden allein 128 Friedhofsschän- dungen und 50 Beschmutzungen von Synagogen registriert.
Aber nicht nur der wilde antisemitische Hetzgesang vieler Pamphle- tisten und Agitatoren kam dem Nationalsozialismus in der soge- nannten„Judenrepublik” zu Hilfe; eine überaus gefährliche Rolle spielte auch das Überhandnehmen antisemitischer Gedankengänge in den sogenannten„besseren“ Kreisen, vor allen Dingen unter den Akademikern. An einzelnen Universitäten kam es zu antijüdischen Kra- wallen— alles in einer Republik, die angeblich eine„Filiale Alljudas“ war, Es versteht sich von selbst, daß diese Bewegung auch auf den wirtschaftlichen Bereich übergriff und es zu Boykotterscheinungen gegenüber jüdischen Geschäften kam. In starkem Maße findet man die antijüdische Haltung vor allem auch bei den sogenannten„natio- nalen” Parteien, unter denen die Deutschnationale Volkspartei(DNVP) nicht die bedeutungsloseste Rolle gespielt hat.
. Unter diesen Aspekten konnte die von den Nationalsozialisten künst-
lich zusammengestellte Rassenlehre, allen rationalen Erwägungen zum Trotz, weite Verbreitung finden. Zusammenfassend kann man die Rassenlehre des Nationalsozialismus folgendermaßen umreißen: Unter Mißachtung und Mißdeutung aller wissenschaftlichen Ergeb- nisse wurden aus verschiedenen Bereichen der Wissenschaft jene Bau- steine zusammengetragen, die zusammengesetzt das Wunschbild einer angeblich reinen Rasse ergeben sollten. Dieser reinen Rasse schrieb man dank der„Tatsache”, daß sich bei ihr nur die guten Eigenschaften vererbten, alle Kulturschöpfungen der Geschichte zu. Alle anderen, angeblich mehr oder minder untereinander vermischten Rassen wurden als minderwertig betrachtet. Die„Artreinheit“ ist eine der Grundlagen für den Anspruch des Nationalsozialismus, auf die Gewinnung von„Lebensraum“ im Osten, mit dessen Hilfe die„arische Herrenrasse” Europa beherrschen sollte. Der Gegenpol des Herren- menschen ist nach der nationalsozialistischen Ideologie der Jude, der den Herrschaftsanspruch des„arischen” Menschen bedroht und den es zu bekämpfen gilt. Die angeblich minderwertigen Mischrassen, wie z.B. die slawischen Völker, die als willige Hilfsorgane der„jüdi- schen Weltmacht” angesehen wurden, sollten als zukünftige Sklaven im Großgermanischen Reich Verwendung finden, und ihrer biologi- schen Fortpflanzung wollte man Beschränkung auferlegen.
Im Mittelalter bis in die Neuzeit hinein gab es für den Juden immer noch den Ausweg der Taufe. Nicht umsonst wurde im 19. Jahrhundert der Satz geprägt, daß die Taufe für den Juden immer noch das Entreebillet zur bürgerlichen Gesellschaft sei. Angesichts des Rassen- antisemitismus gab es jedoch diese Möglichkeit nicht mehr. Alle Be-
Zusammen- fassung


