Die Wegbereiter
Antisemitismus 1921
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Unterwelt zwischen Macchiavelli und Montesquieu”), die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Rußland auftauchte und dann ihre Verbreitung auch in Deutschland fand. In diesen mehrfach bearbeiteten Aufzeich- nungen sollten, so behauptete die antisemitische Propaganda, die An- schauungen und Ziele des Weltjudentums über die Eroberung der Weltherrschaft niedergelegt sein, eine Ansicht, die kurz nach dem ersten Weltkrieg von einer englischen Zeitung, die die Herkunft der Schrift aufgeklärt hatte, im einzelnen als plumpe Fälschung widerlegt wurde.
Der rassische Antisemitismus hatte es natürlich nicht schwer, sich mit den Ansichten der herkömmlichen Judengegner zu vereinigen. Der schleichende gesellschaftliche Antisemitismus in Deutschland, der Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreitet war, hatte den Boden bereits so gut vorbereitet, daß die Rassenlehre, gefördert von den politischen Wirrnissen der Weimarer Zeit, die den antisemitischen Strömungen einen nie zuvor erlebten Auftrieb gaben, auf einen fruchtbaren Boden fallen konnte. Die Vielzahl anti- jüdischer, aus politischen und ökonomischen Quellen: gespeister Gruppen, völkischer Vereinigungen in Deutschland und vor allem auch in Österreich(Georg von Schönerer, Karl Lueger, Jörg Lanz von Liebenfels) prägte nicht nur das Gedankengut der späteren na- tionalsozialistischen Rassenfanatiker, sondern beeinflußte auch be- stimmte Bevölkerungsschichten, vor allem das Kleinbürgertum. Nebu- löse Schlagworte, wie„die jüdische Weltverschwörung”,„das jüdische Weltkapital”,„die Macht Alljudas” usw. schlichen sich in das Ge- dankengut vieler Menschen ein, ohne daß man sich über den realen Wert derartiger Begriffe Gedanken machte, geschweige denn ihren Ursprung erforschte. Treffend wurde die Haltung der Antisemiten der zwanziger Jahre von dem Hölderlinforscher Wilhelm Michel charakterisiert, der in geradezu visionärer Weise schrieb:„Die ge- hobene Keule der Rauschbedürftigen— das ist der heutige Anti- semitismus. Das geschwungene Messer, das wütende Gekeif der Massenverbrecher, der Verzicht auf gerechte Untersuchung, die be- geisterte Empfindungslosigkeit für sittliche Hemmungen, die Bereit- schaft zu jeder Art von Kannibalismus, die alkoholische Erwärmung durch eine ganze brüllende Herde, und ganz im Hintergrund, das wonnig feige Gefühl, jederzeit in der verantwortungslosen Masse ver- schwinden zu können— das ist der deutsche Judenhaß von 1921.” (vgl. Lit. Nr. 1, S. 163) Die Katastrophe von 1918, der wirtschaft- liche und politische Niedergang weiter Bevölkerungsgruppen schu- fen die idealen Voraussetzungen für die Wirksamkeit der national- sozialistischen Propaganda. Hitlers Wähler fanden in seinen Reden und in seinem Buch„Mein Kampf”(sofern es überhaupt gelesen wurde) entweder die bereitwillig aufgenommene„antisemitische Er- klärung“ für ihre Mißstände oder— soweit sie damit nicht einver- standen waren— nahmen doch die antisemitische Komponente seines
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