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fast aller europäischen Länder vorkam. Generalisierende Urteile über schlechte Vertreter dieser Minderheit, wie sie in jeder menschlichen Gruppe zu finden sind, trugen mit dazu bei, den Judenhaß unter der Oberfläche über die Jahrhunderte hinweg am Leben zu erhalten. Dieser Prozeß war in den einzelnen Ländern verschieden, bedingt in der Neuzeit durch die nicht überall gleichstarke humanistisch-liberale Aufklärungs- und Emanzipationsbewegung.
Das 1812 vom König von Preußen unterzeichnete Emanzipationsedikt, das den Juden volle bürgerliche Freiheit versprach, beendete zwar äußerlich die Ausschließung der Juden aus dem Staatsverband, stellte sie aber durch die vor allem nach dem Wiener Kongreß einsetzende Durchlöcherung des Edikts noch lange nicht in den gleichen bürger- lichen Stand wie die Nichtjuden. Gerade der Versuch, die Emanzipa- tion durchzuführen, rief in verschiedenen Gegenden Deutschlands heftige Unruhe hervor und führte zu judenfeindlichen Ausschreitun- gen. Die Flugschriftenliteratur der Zeit von 1815 bis 1850 enthält zahl- lose Hetzschriften, in denen gegen eine Gleichstellung der Juden mit den Christen polemisiert und Stellung genommen wird(Vgl. Lit.Nr. 16). Erst durch die Gründung des Norddeutschen Bundes und später des Deutschen Reiches fielen in Deutschland die letzten gesetzlichen Schranken, die einer Gleichberechtigung im Wege standen.
2. Der Rassenantisemitismus
Fast als Antwort auf die im 19x Jahrhundert vollzogene Emanzipation der Juden entstand, vor allem in Deutschland, im selben Jahrhundert eine neue Richtung des Judenhasses, auf die sich später die national- sozialistische Lehre in erster Linie stützte: der Rassenantisemitismus. Dieser unterschied sich wesentlich von dem aus religiösen und wirt- schaftlichen Motiven herrührenden historischen Judenhaß.
Von Joseph Arthur Graf de Gobineau(1816—1882), einem franzö- sischen Schriftsteller und.Pseudogelehrten, stammte die Lehre von der Ungleichheit der menschlichen Rassen(„Essai sur l'inegalite des races humaines”, erschienen 1853—1855). Er vertrat die Theorie der absoluten Überlegenheit der weißen Rasse, als deren Kern sich die„arische Rasse” allein rein erhalten habe. Den Begriff„arisch” entnahm Gobineau der Sprachwissenschaft, die unter diesem Ter- minus damals eine Sprachgruppe zusammenfaßte, zu der man u.a. neben der romanischen und slawischen Sprache auch die germa- nischen und damit auch die deutsche Sprache zählte. Unter Nicht- beachtung der verschiedenartigen Tatbestände schloß Gobineau von der Sprachverwandtschaft auf die biologische Rassenverwandtschaft. Während Gobineau die Urheimat dieser„arischen Rasse” noch in Indien vermutete, verlegten spätere Rassentheoretiker diese nach Mittel- und Nordeuropa.
Von Gobineau ging auch der Versuch aus, die gesamte Welige-
Die Emonzipotion
Die Rassenlehre
Von der Sprache zur Rasse


