Geschichte als Rassenkampf
Arier contra Jude
Dührings Wahn
schichte nach„rassischen” Gesichtspunkten zu erklären. Der Ger- manenkult nimmt hier einen seiner hauptsächlichen Anfänge. Später, unter‘ Houston Stewart Chamberlain(1855—1927), gebürtiger Eng- länder, Wahldeutscher; Hauptwerk:„Die Grundlagen des neunzehn- ten Jahrhunderts”, 1. Aufl. 1899) und seinen Epigonen führte er dann zu der Gleichung: arisch= germanisch= deutsch. Fügt man noch die von Chamberlain vertretene Theorie hinzu, derzufolge die „arische Rasse” die allein kulturträchtige sei, so ist die eine Ideen- kette gebildet, die Hitler dazu brachte, in„Mein Kampf” zu schreiben:
„Würde man die Menschheit in drei Arten einteilen: in Kulturbegründer, Kultur- träger und Kulturzerstörer, dann käme als Vertreter der ersten wohl nur der Arier in Frage. Von ihm stammen die Fundamente und Mauern aller menschlichen Schöp- fungen, und nur die äußere Form und Farbe sind bedingt durch die jeweiligen Charakterzüge der einzelnen Völker.”
(7. Aufl., München 1933,$. 318.)
Nur dem„reinen Arier” wird in der nationalsozialistischen Rassen- theorie, ausgehend von Chamberlain und beeinflußt von willkürlich ausgewählten Ergebnissen der Erbbiologie, schließlich noch die Be- fähigung zugeschrieben, gute charakterliche und geistige Eigen- schaften zu besitzen und vererben zu können. Der„Kampf ums Da- sein”, die Überlegenheit der rassisch höherwertigen und die Eliminie- rung der minderwertigen Völker durch„natürliche Auslese”, jene aus der pervertierten Darwinschen Lehre hervorgegangenen Vorstellun- gen der Sozialdarwinisten, spielte in der nationalsozialistischen Theo- rie eine entscheidende Rolle. Nicht umsonst hat Hitler einmal erklärt: „Mag etwas noch so blödsipnig sein, in der Festigkeit, in der es ver- treten wird, liegt die Ursache zum Geglauktwerden.”(H. Heiber, „Adolf Hitler“, Berlin 1960, S. 119.)
Dem Ideal des„reinen Ariers” stellte man als Gegenpol die„jüdische Rasse“ gegenüber. Bei der Abstempelung des Juden zum„semitischen Rassentyp”(bei Gobineau fehlte noch der konsequente Rassenanti- semitismus des späten 19. Jahrhunderts) erfolgte die gleiche fälsch- liche Vermengung sprachwissenschaftlicher Begriffe mit anthropo- logischen Theorien. Erst von dieser Begriffsbildung her, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand, sollte man dann von „rassischem Antisemitismus” im exakten Sinne des Wortes sprechen. Alle früheren Verfolgungen bezeichne man besser als Folgen des Judenhasses.
Am konsequentesten findet man diese Rassentheorien zusammen- getragen und mit dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit versehen bei dem Berliner Nationalökonomen Eugen Dühring in seinem 188] erschienenen Werk„Die Judenfrage als Racen-, Sitten- und Cultur- frage". Eva G. Reichmann charakterisiert seine Ausführungen in ihrer Untersuchung über den Antisemitismus folgendermaßen:
„Noch deutlicher kommt der kollektive Minderwertigkeitskomplex Dührings dadurch zum Ausdruck, daß er die Überschätzung der jüdischen Macht ins Phantastische steigert. Nach ihm sind nicht nur
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