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Das Gestern soll nicht das Heute bestimmen : 1945 - 1963; Vortrag auf dem Bundestreffen ehem. Sachsenhausener Häftlinge am 14. Okt. 1962 in Essen (gekürzt) / Harry Naujoks
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aller Nazigegner der anderen Länder sicher. Die in den Konzenirations- lagern und Zuchthäusern geschlossene Freundschaft endete nicht mit der Niederlage der Nazis. Zwischen den Widerstandskämpfern der anderen Länder und uns hat es niemals eine Feindschaft oder einen Graben gegeben, wir brauchen also keinen Graben zuzuwerfen und keine Feindschaft zu be- enden.

Wir fanden uns schon im Geiste der Menschlichkeit zusammen als es noch lebensgefährlich war, als die nationalsozialistische Wehrmacht ein Land nach dem anderen überfiel, als die SS mit Galgen und Gas- kammer wütete, als die nazistischen Wirtschaftsführer die Menschen in die Sklavenarbeit trieben.

Unsere Freundschaft mit allen Völkern wird nicht von Geschäftsinteressen bestimmt; es sind auch nicht politische oder militärische Vorteile, die diese Freundschaft bestimmen. Wir haben uns zusammengefunden in dem einen Ziel, alles zu tun, damit endlich Ruhe und Frieden in der Welt einkehren. Der Neonazismus bedroht nicht nur Deutschland, sondern auch seine Nach- barländer und die ganze Welt. Seine Bekämpfung ist keine innerdeutsche Angelegenheit allein. Die Niederringung des Neonazismus ist eine Lebens- frage für alle Völker.

So sollten unsere Kameraden der anderen Länder sich dafür einsetzen, daß alle Erscheinungen von Nazismus und Antisemitismus öffentlich diskutiert werden. Wir laden sie zu Informationsbesuchen ein. Der ständige Gedanken- austausch muß mehr als bisher gefördert werden. Wir müssen gemeinsam auf alle Regierungen einwirken, damit die Archive die Dokumente über Noziverbrechen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Es muß uns gelingen,

eine weltweite Bewegung zu enifachen.

Bevor Frieden in der Welt einkehren wird, gibt es noch viele Probleme, die dringend der Lösung bedürfen. Ich bin aber überzeugt, daß diese leichter zu lösen sind, wenn der Nazismus aus der Welt verschwunden ist, denn Nazis- mus heißt Terror und Gewalt. Deswegen sollten wir uns alle zum gemein- samen Handeln vereinen in der Erkenntnis, daß erst durch die Überwindung der nazistischen Bedrohung Frieden, Freiheit und Sicherheit für Deutschland und die Welt errungen werden.