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Eine Frau erzählt / Grete Salus
Entstehung
Seite
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auto, das die Menschen aus den verschiedenen Konzentrationslagern-

brachte und frug jeden einzelnen von ihnen nach ihm. Es kam zu den tragıschsten Namens- und Personenverwechslungen, die mich ımmer wieder hoffnungsvoll aufleben ließen, um sich dann eben als Täuschung herauszustellen.

Alles Selbsterlebte verblaßte vor diesen Qualen, die immer schlimmer wurden, je mehr die Freiheit von ihrer ersten berauschenden Kraft ein- büßte.

Theresienstadt sah mit Spannung der endgültigen Befreiung entgegen. Wer würde sie bringen? Die Russen? Die Amerikaner? Die Engländer?

Noch war die deutsche Kommandostelle anwesend, aber ebenso das Internationale Rote Kreuz. Die Rote-Kreuz-Fahne war auf der Kom- mandantur gehißt. Das Rote Kreuz war in weithin sichtbaren Farben auf den Dächern der Theresienstädter Häuser aufgemalt.

Täglich die NachrichtEs ist zu Ende. In den Nächten kam es zu den schönsten Siegesfeiern und alle die aufgesparten Schnäpse und ande- ren Leckerbissen waren schon verbraucht, als es wirklich dazu kam.

Am 5. Mai 1945 wurde die Nachricht von der endgültigen Kapitu- lation der Deutschen in das Ghetto gebracht von Leuten, die auf ge- heimnisvolle Weise hereinkamen und auch hier blieben.

Plötzlich wieder die Nachricht, Prag brenne Prag kämpfe Prag riefe um Hilfe.

Nun wußten wir wieder nicht, ist nun Schluß oder geht der Krieg weiter? Außerdem befürchteten wir, daß Prag, unsere Heimat, für uns wieder verschlossen und vor allem vollkommen zerstört sein würde.

Jedenfalls durften wir Theresienstadt noch immer nicht verlassen, wurden ungeduldig, und viele der Ghettoinsassen flüchteten.

In der Nacht auf den 8. Mai weckte uns heftige Schießerei aus dem Schlafe. Es hieß, die Russen ziehen gegen Prag. Einige Tage später mar- schierten sie ein in das Ghetto. Über das Ghetto wurde strengste Qua- rantäne verhängt, niemand durfte heraus, denn hier wütere der Tod. Flecktyphus war ausgebrochen und nahm die bedrohlichsten Ausmaße an. Mich aber konnte nichts mehr davon abhalten, Theresienstadt zu verlassen.

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