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Eine Frau erzählt / Grete Salus
Entstehung
Seite
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Auf dem Transport Du Baum, wie schön, wie stolz, wie frei...

Eigentümlich, wie vieie Häute der Mensch zum Schutze seiner selbst trägt. Die erste ist noch sehr empfindlich und weicht dem ersten Anhauch. Die darunter ist schon widerstandsfähiger und so fällt eine nach der anderen, bis die letzte bleibt, die ihn dann wie ein fester Panzer umgibt. Dieser Panzer umschließt aber auch schon einen anderen Menschen, denn mit jeder Haut fiel ein Stück lebender Substanz.

Wenn das Grauenhafte ganz am Anfang mit voller Wucht auf uns eingestürmt wäre, es uns unvorbereitet getroffen hätte, wären wir alle unterlegen. 5o konnten einige sich retten, aber welchen Preis mußten sie dafür zahlen, was sahen sie alles, was taten sie alles, wie müssen sie sich jetzt damit herumschlagen, um wieder langsam Stück für Stück den alten Menschen aus sich herauszuholen. Jetzt spüren wir erst die Wunden, die man uns geschlagen, die feste Haut ist auf einmal nicht mehr da, ja unser Inneres hat sich gleichsam nach außen gestülpt und zuckt zurück vor jeder Berührung mit dieser Welt.

Oft fragt man uns:Habt Ihr Euch denn nie gewehrt? Ihr ward doch eine Masse gegen ein Häufleın Eurer Peiniger.

Niemand kann ermessen, der es nicht selbst erlebt hat, was es hieß, eingeschlossen zu sein in dieses System kalter, planmäßiger Vernichtung, einer Vernichtung mit den raffiniertesten und perversesten Mitteln. Man hat uns präpariert, langsam jedes eigene Leben ın uns ertötet und vor allem die Selbstachtung zerstört. Und wir waren so überzeugt Sie können uns die Selbstachtung nıcht nehmen. mögen sie tun. was sie wollen. Und wir glaubten es, um das Weinen in uns zu übertönen.

Wir haben es nur allzubald an der eigenen Haut gespürt inner- halb unserer engen Notgemeinschaft. Wehren wehren konnten wir uns nicht mehr, nıcht einmal gegen unsere eigenen Leute. Ja am Antang dieses Weges, da hätten wir uns gewehrt, aber da war noch nichts, auf

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