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Eine Frau erzählt / Grete Salus
Entstehung
Seite
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Gas verurteilt. Vor Vollziehung des Urteils wurde sie bei einem Sonder-. appell ihren Kameradinnen vorgeführt und da gelang es ihr, sich mit einem Rasiermesser die Pulsader der einen Hand durchzuschneiden. Wie von der Tarantel gestochen fuhr ein S5-Mann auf sie zu, faßte die verletzte Hand, brach sie um, aber Mala versetzte ihm nichtsdestoweni- ger mit der anderen unverletzten Hand eine heftige Ohrfeige. Stolz- erhobenen Hauptes, wenn auch mıt versagenden Knıen, ließ sıe sich ab- führen und wart den Kameradınnen noch einen tief aufleuchtenden

Blick zu. x

Wir fanden in Theresienstadt wenig von dem, was wir verloren hatten. Die Menschen waren meist andere. Fremde, und es kamen die Erinnerungen an Menschen. mit denen wir hier gegangen waren und gelebt hatten. Wir spürten dıe lähmende Angst, die sich der Menschen hıer bemächtigt hatte, es war noch ımmer die Angst vor dem Kommenden.

Wir aus dem KZ sahen eın bißchen herablassend auf diese- wie wir es nannten- eingebildeten Angste von Menschen, die dem Tode nıcht so nah wıe wir gegenübergestanden hatten, von Angesicht zu An-

gesicht. Wie wir aber nach dem Kriege erfuhren, waren sie doch nicht ganz unbegründet, denn auch hier waren Gaskammern für unsere Ver- nıchtung vorbereitet. Dazu kam es aber nicht mehr, denn als wir in das Ghetto kamen, stand es bereits unter dem Schutze des Internationalen Roten Kreuzes.

Nach der ersten bei Freunden verbrachten Nacht kehrte ich in die allgemein Quarantäne, in die Gemeinschaft unserer Frauen zurück. Hier verbrachten wir drei Wochen, gemeinsam mit einem Frauentrans- port, der, wie sıch später herausstellte, der eigentliche Träger der Fleck- typhusepidemie war, die nun ganz Theresienstadt ergriff Von unserem Lager erkrankte nur eine einzige an dieser tückischen Krankheit und auch diese gesundete. Wir blieben wie ein Wunder verschont. Es starben viele der Theresienstädter Ärzte und Pflegerinnen, die in allzu dichte Berührung mit den verlausten Häftlingen kommen mußten.

Langsam bemächtigte sich meiner eine peinigende Unruhe, mein Mann kam nicht, und wir hörten nichts von den Männern unseres Trans-

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