in sich selbst und in die Untiefen der anderen gesehen, zu sehr hat sich ihm das Bild der Welt verschoben, zu demaskiert hat sich ihm alles dargeboten, während seiner grausamen Haft und auch nach seiner Be- freiung. Was die Welt nach dem Kriege zu sehen bekam, das waren nicht gerade Repräsentanten eines heroischen Schicksals Das waren arme, verstörte Menschen, mit nur einem Wunsche ihres gemarterten, entwürdigten Menschentumes, alle KZ-Merkmale abzuschütteln und endlich normale Menschen zu werden unter normalen Lebensbedingun- gen. Ja Helden, es gab wohl Helden, aber nur vereinzelt, die durch ihre Kraft imstande waren, auch andere mitzureißen.
Es gab stilles Heldentum in diesen tausenderlei verschiedenen Men- schenschicksalen, aber dies zu schildern, da es sich ohne jedwede beson- deren Effekte vollzog und in der heutigen Atmosphäre auch nicht als solche gewertet würde— ist müßiges Beginnen.
Wenn so ein alter Mann still und abseits verhungerte ohne zu betteln und zu schreien, wenn ein Mann oder eine Frau sich von ihren knappen Rationen absparte, um sich gegenseitig zu helfen, wenn eine Kamera- din der anderen, Kranken, ihre Zuckerfassung schenkte. obwohl sie selbst vor Schwäche taumelte, so klingt das nach nichts und war doch in diesem Leben so viel, so unendlich viel.
Ja, Mala Zimentbaum war eine Heldin.
Sie war 22 Jahre alt, Dolmetscherin in Auschwitz. Sie hatte eine ein- flußreiche Stellung und gebrauchte sie auch ausgiebig für ihre Mitge- fangenen, zu ihrem Wohle und vor allem zur Orientierung über ver- schiedene Unternehmungen der Nazis. Sie kannte keine Angst, kein Zögern, wenn es sich darum handelte, irgendeine Nachricht, die sie durch ihre Stellung erlauscht hatte, auszubeuten zur Rettung ihrer Kame- raden. Sie ergriff die Flucht, gemeinsam mit einem Polen. Sie hatte unter ihrer Häftlingskleidung eine Aufseherinnenuniform angezogen, ihr Be- gleiter war in SS-Uniform. Als Häftling, in Begleitung eines höheren SS-Wachtdienstsoldaten, passierte sie ohne Schwierigkeiten das Tor von Auschwitz. Ihr Verschwinden wurde sehr bald bemerkt und jetzt wurden alle SS-Stationen benachrichtigt und alarmiert und ein ganzes Heer dieser Verbrecher machte Jagd auf sie. Sie fanden sie, als sie sich absolut sicher fühlend, in einem Kaffeehaus in Kattowitz saß. Sie wurde nach Auschwitz zurückgebracht und zum Tode durch
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