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in den letzten Minuten vor ihrem Untergange. Auch bei den Aufsehe- rinnen sahen wir diese Sorglosigkeit und sie war absolut echt. Wir spra- chen mit ihnen, kannten wir sie doch allzu gut— und daraus ersahen wir, daß sie es nicht begriffen, zumindest der Großteil von ihnen hatte noch immer keine Ahnung.
Die Aufseherin in unserem Wagen ärgerte sich darüber. daß die Kleider im Koffer so zerdrückt seien, daß sie schon einige Tage nicht gebadet habe und nicht so richtig satt sei, sie behauptete es, nachdem sie, wie sie sagte, ihr letztes Ei aufklopfte.
Und das erzählte sie uns, die wir schon halbverhungert waren, er- zählte es uns in ihrer Gedankenlosigkeit und aus der Gewohnheit her- aus, uns nicht als Lebewesen zu betrachten. Diese gewohnheitsmäßige Ableugnung unserer menschlichen Existenz zeigte, wie erschreckend dieser Abgrund war, der diese Menschen von allem Menschlichen trennte. Diese Aufseherinnen waren nicht besonders böse. Sie waren kleine, primitive Mädchen, die man sicherlich von klein auf angehalten hatte, den Armen zu geben. Aber wir waren nicht arm, wir waren nur
ein Nichts— ein Nichts.
In unserer Oberaufseherin erwachte plötzlich wieder ihr Reinlich- keitsfanatismus, als sie irgendwo eine Gartenspritze entdeckte. Wir muß- ten alle antreten zum Waschen. Zum Gaudium der ganzen Besatzungs- mannschaft entledigte sich Frau Oberaufseherin begeistert dieses Amtes. Wir mußten ein jeder die Hände darunter halten, kamen wir zu nahe, ließ sie den Strahl hochaufschnellen und wir waren dann von oben bis unten patschnaß. Das war wieder einmal eine nette Abwechslung und ein hübsches Spiel, ihr perlendes Lachen konnte jeden überzeugen. Wir waren vıel zu müde und abgekämpft, um uns zu empören. Es gab viel peinlichere Situationen, an die wir uns nur schwer gewöhnen konnten, wıe das Austreten auf den Wiesen vor den Augen der ganzen Besatzung. Auch das wurde uns allmählich gleichgültig, und wir waren noch froh,
wenn wır zu diesem Zwecke aus den Wagen heraus konnten.
Als es hieß nach Prag, bereiteten einige der Mädchen die Flucht vor. Sie lıeßen sich das KZ aus dem Mantel herauskratzen, eine nähte sogar
|| eın Stück Stoff darüber. Aber es blıeb nur bei den Vorbereitungen,
weiter reichten die Kräfte nicht mehr. Wir ließen uns treiben in einer
- Lässigkeit, die fast schon strafbar war.


