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Eine Frau erzählt / Grete Salus
Entstehung
Seite
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Wir fuhren nach Leitmeritz, näherten uns Theresienstadt. Wir wur- den aus unserer Apathie gerissen, denn Theresienstadt, wie es auch heute aussehen mochte, schien uns die Rettung. Es hieß, wir würden auf die kleine Festung gebracht. Kleine Festung das war schon was anderes und unsere Freude ließ beträchtlich nach.

Wir standen nun vor Theresienstadt eınen halben Tag und kehrten wieder um. Theresienstadt hatte seine Tore geschlossen und ließ nie- manden herein.

Zurück nach Prag, Pankratz-Gefängnis, war die neue Devise. Wir

sanken wıeder ın wohltuende Bewußtlosıgkeit Unterdessen hatten wir verschiedene Begegnungen. Ein Häftlingszug. Frauen so wie wir. Er hielt und, o Wunder. ın einem der Wagen unsere ungarische Ärztin. Nun erfuhren wir, daß auch sie vergebens vor Theresienstadt gehalten hatten.

Wir erfuhren, daß im Oktober 1944 noch ein Transport nach dem unseren nach Auschwitz gegangen war Es wurde damals gesagt daß mit unserem Transport die Aktion abgeschlossen sei. Nun hörten wir, daß auch noch die letzten 2000 jüngeren Menschen denselben Weg genommen hatten wie wir. Unter uns brachen einige zusammen, ihre Leute, die zurückgeblieben waren und die sie in Theresienstadt in einer gewissen Sicherheit geglaubt hatten, waren wahrscheinlich nun zum großen Teil nicht mehr am Leben.

Wie in einem Film tauchte ein Luxuszug von uns auf. Da gab es Schlafwagen, an den Fenstern fabelhaft hergerichtete und schick ange- zogene Mädchen und ebenso saßen sie auf den Dächern, Zigaretten rau- chend und flirtend. Dann Küchen, Wagen mit Schweinen, Geflügel. das reinste fahrende Paradies. Dieser Flakzug erschien uns wie eıne Erschei- nung aus einer anderen Welt und uns blieben Augen und Mund offen- stehen vor lauter Bewunderung. Wir mußten dumm dreingesehen haben, denn einige der elegant uniformierten Mädchen wiesen lachend mit den Fingern zeigend auf uns.

So etwas gab es auch noch, Luxus, gutangezogene Frauen. Wir selbst musterten uns schweigend von oben bis unten und setzten uns traurig nieder.

Solange blieb die Maske der Deutschen erhalten, auch jetzt noch

diese unbekümmerte und gedankenlose Sorglosigkeit, auch jetzt noch

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