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Eine Frau erzählt / Grete Salus
Entstehung
Seite
81
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uns ein, daß man uns aus den Flugzeugen erkannt hatte und aus diesem Grunde nicht angriff.

So verlief nun unsere ganze Fahrt. Ständig verließ uns die jeweilige Maschine und wir standen auf den verschiedenen Strecken Einmal drei Tage in der Nähe von Leitmeritz und es wurde schon gemunkelt, daß wir nun zu Fuß gehen müßten. Da aber die Aufseherinnen keine Lust dazu hatten, blieb uns dies erspart. An unseren Zug hatte sich ein schwer- bewaffneter SS-Zug angehängt und unsere Begleitmannschaft hatte nun ein Leben, wie sie sich es nur wünschen konnte.

Solche SS-Züge fuhren zu Hunderten hinter der Front herum und der unsere konnte sich damit, zu unserer Bewachung da sein zu müssen, legitimieren. In dieser illustren Gesellschaft hielten wir nun tagelang auf den verschiedensten Bahnlinien, bewegten uns immer um Aussig, Leitmeritz im Kreise.

Jetzt war eine Flucht unmöglich geworden, da ständig Wachtposten aufgestellt waren. In der Nacht durfte sich keine erheben, sowie ein Kopf auftauchte, wurde sofort geschossen.

Unsere Aufseherinnen bekamen wir nun selten zu Gesicht, sie ver- lebten herrliche Tage und Nächte im Kreise ihrer Götter. Unsere Ober- aufseherin lag schäkernd im Grase, an ihrer Seite den Kommandanten des SS-Zuges. Es war ein wahrhaft idyllisches Leben, das sie nun führten. Wir spürten aus der SS-Küche des Zuges die verlockendsten Düfte her- überwehen wir litten Tantalusqualen und am Morgen sahen wir dann die Aufseherinnen mit dickangefüllten Jacken an uns vorüber- eilen. Wir aber hungerten, waren schmutzig und verdreckt und drohend starrten dıe Maschinengewehre von den Dächern des SS-Zuges. Unsere Körper waren abgemagert und wund vom ständigen Hocken auf dem Boden. Meist sanken wir in einen wohltätigen Halbschlummer, aus dem uns nur Berichte unseres Kundschafterdienstes emporrissen. Einmal hieß es nach Dachau, dann nach Floßenbürg und gegen Ende unserer Wan- derschaft tauchte das WortTheresienstadt aut.

Der Oberscharführer, dem das Ganze sehr gegen den Strich ging, sagte. daß er alles tun würde, um uns nach Theresienstadt zu bringen. Sie waren alle ratlos, was sie mit uns beginnen sollten, da alles bereits blockiert war und wir nirgends durchkommen konnten.

6 Eine Frau erzählt