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Eine Frau erzählt / Grete Salus
Entstehung
Seite
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Bei den Zählappellen sahen wir ein spöttisches Lächeln der Ober- aufseherin, denn die Zahl stimmte immer. Auch ich wunderte mich, daß nicht einmal die Jüngeren, dıe Außendienst gemacht hatten, die Flucht ergriffen, denn dıese hatten sich ımmer als mutig und unter- nehmungslustig erwiesen. Ich finde keine andere Erklärung für diesen erstaunlichen Umstand als den vollständiger Zermürbtheit und allzu geschwächter körperlicher Verfassung. Wenn wir eın paar Schritte gin- gen. so war das eıne ungeheure Anstrengung und die Vorstellung daß dies stundenlang und eventuell im Laufschritt geschehen müßte. ließ uns erschauern und die Unmöglichkeit einer solchen Leistung erkennen.

Vor allem wußten wir überhaupt nicht, wo Freund. wo Feind und bewegten uns ständig auf deutschem Gebiete, und da uns jede Beurtei- lung der Einstellung dieser Bevölkerung unbekannt war hatten wir keın rechtes Vertrauen dazu, ihre Hilte in Anspruch zu nehmen Auf tschechıshem Boden wäre es vielleicht doch dazu gekommen und aus diesem Grunde wurde dies auch wohlweislich vermieden.

Wir standen nun wieder längere Zeıt irgendwo ın der Leitmeritzer Gegend. Ständig hörten wir Alarme. Der SS-Zug leistete uns auch

weiterhin Gesellschaft.

Auf einmal sahen wir in den Wagen vor uns aufgeregtes Durchein- andersprechen, Gestikulieren und nun erfuhren auch wır, es sollte aber- mals nach Theresienstadt gehen. Wirklich, der SS-Zug hängte ab, und wir fuhren nun ohne seine Begleitung nach Theresienstadt.

Es begann heftig zu regnen. Während der ganzen Zeit unserer Wan- derschaft hatten wir gutes Wetter gehabt, und das erleichterte uns das Hausen in den offenen Wagen.

Wir waren 8 Tage auf Fahrt, ohne Nahrung, und lebten. Als es hieß, nach Theresienstadt, rafften wir noch einmal alle unsere Kräfte zu- sammen, bissen die Zähne aufeinander und sagten unsdurchhalten.

Wir fuhren bis Leitmeritz, hier verließen wir die Wagen. Ich nahm meinen Kübel mıt, konnte ihn aber nıcht mehr tragen, andere. dıe stärker waren, taten es für mich. Nun gingen wir zwei Stunden zu Fuß nach Theresienstadt. Erst gingen wir durch die ganze Stadt Leit- meritz, bereits naß bis aut die Haut. Ein unheimlicher Zug. die ent- setzten Blicke der Bevölkerung bewiesen es. Aut diesem Wege legte

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