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Eine Frau erzählt / Grete Salus
Entstehung
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Ich war am Tage des Aufbruches der anderen mit 40 Grad Fieber und einer Lungenentzündung im Revier, wo man den Schwerkranken versprochen hatte, uns mit Autos weiterzubefördern. Zwei Stunden nach Abmarsch der Gesunden kamen einige Wachtposten, befahlen mit Don- nerstimme, uns anzuziehen und anzutreten. Es waren Gerhard, der Mistfitzenkrebs(mit diesem Wort beschimpfte er immer die Häftlinge) und der von der dritten Hundertschaft, alle drei vollkommen besoffen. Einige Mädels waren schon zu schwach, um noch aufstehen zu können, und als sıch die Tür hinter uns geschlossen hatte, hörten wir von drin- nen Schüsse fallen und wußten nun, wie viel es geschlagen hatte Drau- ßen von Autos weit und breit keine Spur, hingegen führte man uns zum nahe gelegenen Wald, wo, was ich allerdings damals nicht wußte, ein Massengrab vorbereitet war. Am Rande dieses unseres Grabes spazier- ten wir ungefähr zwei Stunden hin und her. Einige Mädels wurden, da sie vor Schwäche am Wegrand sitzen blieben, vor unseren Augen erschossen, und wir erwarteten jeden Augenblick dieses Schicksal zu teilen. Dann kam aber Feldwebel Jakob, und in diesem Moment wußten wir auch, daß wir gerettet waren. Er hatte in der Zwischenzeit Breslau angerufen, um uns bis zum nächsten Ort Trachenberg führen zu dürfen. So gingen wir, glücklich über unser wiedergewonnenes Leben, diese kurze Strecke in Holzpantinen viele Stunden bis in die Nacht. Am näch- sten Tage(Febr. 1945) wurden wir in offenen Kohlenwagen nach dem KZ Groß-Rosen verfrachtet. Nach Auflösung dieses Lagers kamen wir nach nbeschreiblicher Reise über Buchenwald nach Mauthausen und von dort in die Hölle Bergen-Belsen. Ich will und kann Dir dies alles nicht ausführlicher erzählen. Es wird Dir genügen, wenn ich Dir sage, ‚daß ich während dieser Zeit vier Pneumonien, Flecktyphus, Bauch- und

Kopftyphus sowie eine beiderseitige Pleuritis mit Exudat und eine

Herzmuskelentzündung überstanden habe. Nach Schweden kam ich am 15. Juli mit 40 Grad Fieber, einem Lungenbefund, mit einem Gewicht von 30 kg. Jetzt habe ich mich nach wunderbarer, aufopferungsvoller Pflege so weit erholt, daß ich angeblich nur noch zur Beobachtung hier- bleibe.

Es starben viele nach ihrer Rückkehr wußten gar nicht mehr, daß||

sie frei waren lebten nur noch Stunden. Eine Frau aus unserem Lager behielt ihren Mann genau drei Tage, dann starb er.

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