Weise flößten wir den Deutschen Angst ein. Außerdem be- warfen wir sie mit benzingefüllten Flaschen und schleuderten in die Abteilungen vom Dachboden die zwei Handgranaten, die wir besaßen. Die Granaten warfen unser Genosse Stach und das Haschomermitglied Izrael. Einige Tage nach den Januarereignissen erfuhren wir von dem heldenhaften Tod des Czarny Michal auf dem Gebiet des Ghettozentrums.
Der Zeitabschnitt zwischen den zwei großen Kämpfen im Januar und im April verstrich unter dem Zeichen immer intensiverer, angestrengter und fieberhafter Vorbereitungen. Diese Zeit war besonders schwer. Den jüdischen Stadtbezirk hatteman in etliche Ghettos aufgeteilt. Die einzelnen Ghettos besaßen miteinander keine Verbindung. Einen Kontakt her- zustellen war ein Unding; alle Bemühungen dieser Art waren unvermeidlich gleichbedeutend mit Tod. Aber trotzdem fan- den sich Genossinnen, die nicht zögerten, diese gefährliche Aufgabe zu übernehmen. Durch größte Tapferkeit und Auf- opferung zeichnete sich bei den Versuchen, zwischen den Ghettos einen Kontakt herzustellen, Rywa Szmutke aus. Sie war ein heldenmütiges Mädchen, spottete geradezu über den Tod; sie gelangte geschickt und bravourös von uns, das heißt aus dem Ghetto, auf dessen Gelände sich die shops von Toebbens und Schultz befanden, ins Ghettozentrum. Ihr Bei- spiel spornte zwei andere Genossinnen an: Chawa Bonder und Itka Hejman. Die Durchgänge zwischen den einzelnen shops in den Ghettos schufen wir eigenhändig. Wir schlugen in die Mauern der Dachböden Löcher und stellten auf diese Weise den in seiner Art einzigen ungewöhnlichen Weg her, der durch die ganze Nowolipie-, Nowolipki- und einen Teil der Smocznastraße führte. Man kroch über die Dachböden der deutschen Fabriken von Hoffmann, Schultz, Schiling und Roerich.
Wir hielten die Verbindungen nicht nur mit dem Ghettozen- trum aufrecht, sondern knüpften auch mit der„arischen Seite“
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