herausgegebene Radioberichte, die ich wiederum einer zwei- ten Verbindungsperson zu bringen hatte, der Genossin Iza- bella Waserman, die einen Zigarettenkiosk an der Ecke Za- menhoff- und Gesiastraße hatte. Ich hatte noch mit einem anderen Zigarettenkiosk Kontakt, nämlich mit dem an der Ecke Lubecki- und Gesiastraße, in dem sich unser Ver- trauensmann Nulman befand, ein Invalide und altes Mit- glied unserer Bewegung. Ich war mit dieser Arbeit jedoch nicht zufrieden, weil sie meinem Ehrgeiz nicht genügte: sie riß mich von meiner Kampfgruppe und der Arbeit unter der Bevölkerung los. Ich wurde von meiner Funktion in der tech- nischen Zentrale jedoch nicht auf meinen Wunsch hin befreit, sondern im Zusammenhang mit einem unglücklichen Vorfall in unserem Leben, nämlich wegen einer umfangreichen Denunziation, die im Mai durch eine Provokation eines unserer Verbindungsmänner zwischen dem Ghetto und der „arischen Seite“ verursacht worden war. Ich erinnere mich an dieses für uns so tragische Ereignis auch heute noch sehr gut. Es war ein heiterer, strahlender Maientag. Die zum Leben erwachende, herrlich aufblühende Natur erweckte trotz der mit Grauen durchdrungenen Wirklichkeit im Ghetto in unseren jungen Herzen ein erhebendes, freudiges und hoff- nungsvolles Gefühl.
Schon seit mehreren Tagen hatte ich mich zur Ausführung eines Auftrags der Organisation vorbereitet: mich auf die „arische Seite“ durchzuschlagen. Die Organisation hatte mich wegen meines„guten Aussehens“, wegen meiner arischen Züge dafür bestimmt. Zu eben diesem Zweck hatte ich mich vorher in die Gegend des katholischen Friedhofs in Powazki begeben und den Abschnitt genau erforscht, durch den ich dem Plan nach auf die andere Seite gelangen sollte. Am Morgen sollte ich mich noch mit dem Genossen Tadek treffen, um entsprechende Adressen und Losungen zu bekommen. Ich ging lange vor dem Haus in der Zamenhoffstraße 10 hin und
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