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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
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Jahre gingen dahin. Eines Jahres ging auch ich zum Sylvester- ball. Ich hatte ein blaues Seidenkleid an und rosa Blumen an der Brust. Ich trank Wein, tanzte, und als es zwölf geschlagen hatte, erwartete ich mit zitterndem Herzen die neue Ära, das neue Jahr. Ach Gott, möchten sich doch meine Wünsche erfüllen!

Die Wünsche und Träume waren naiv, klein: daß ich das Abitur bestände, daß die Eltern, Onkel und Tanten und die ganze Verwandtschaft und die Großmutter glücklich und gesund blieben und daß ich gut lernen möge; daß ich Reisen machte, daß ich bei gleicher Gegenliebe mich auf Tod und Leben verliebte, in die Berge führe und ans Meer. Bloß, viel größer bin ich nicht geworden.

An einem Neujahrstag waren wir, Jurek und ich, auf der Hochzeitsreise in den Bergen. Es kam uns vor, als lebten wir in einem Land der Wunder und Märchen, als sei das Glück greifbar, geradezu mit den Händen zu greifen.

Neujahr 1939. Auf einem großen Ball in derAdria, wo einem sogar die Augen weh taten vor Licht und Farben, saßen wir mit Freunden an einem Tischchen und tranken Champa- gner. Zwölf Uhr nachts. Wir küßten uns, wünschten uns, daß es keinen Krieg gäbe, daß wir alle gesund blieben, daß man uns nicht verfolgte, daß Hitler krepierte. Dann lief ich als erste zum Telefon:Mamachen, ich wünsche dir alles Gute. Dann kamen der Papa heran, die Tante, der Onkel.Was macht ihr?Wir amüsieren uns besser als ihr, rief der Onkel. Woher weißt du denn, wie wir uns amüsieren?Ich weiß, daß man sich nicht besser amüsieren kann als wir, dein Papa weint förmlich vor Lachen.

Neujahrsfeste im Ghetto. Wir feierten sie eigentlich nicht, sie hatten aufgehört, unsere neuen Jahre zu sein... Neujahr in Slawek. Ala hatte Sandkuchen gebacken, eine Flasche selbstgezogenen Weins hervorgeholt; wir saßen am

Tisch: Ala, Cybulski, Jurek und ich Gerta war schon in

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