was das für eine Qual ist, auf den Tod zu warten, was die Zwangsarbeit und das Schlagen für eine Qual ist, was die Angst vor dem Tode bedeutet. Was gäbe ich darum, um dich zu beschirmen, um dich dort herauszureißen, um dir zu hel- fen. Ich kann dir nur mein Leben geben, denn ich besitze sonst nichts mehr, und ich gebe es dir.
Es gibt ein Märchen Andersens von einer Mutter, die ihr
Kind sucht...
Das neue Jahr
Anfang 1945.
Wie würde dieses Jahr sein? Mir kamen alle Neujahrstage in Erinnerung. Sie waren voller Erwartung und Geheimnis: was würden sie uns bescheren? Als ich noch ein kleines Mädchen war, weckten mich die Eltern um zwölf Uhr nachts:
„Hier, trink etwas Wein, wachse uns gesund auf und gereiche uns zur Freude.“
Ich trank den süßen Wein und knabberte kleine Salzstangen, dann bekam ich eine Schokoladentorte, bei der Papa sagte: „18 nicht soviel, laß dir etwas für morgen“, und die Mama staunte:„Wieviel das Kind essen kann!“ Dafür verteidigte Helena, mein Kindermädchen und meine Verbündete, meine Interessen:„Es wird ihr schon nichts schaden, wenn sie sich einmal zur Nacht satt ißt. Mag sie Süßes essen, dann wird für sie das ganze Jahr süß!“ Mit diesem Argument hatte sie meine Eltern überredet.
Wenn sich die Eltern in der Stadt vergnügten, klingelte um 12 Uhr pflichtgemäß das Telefon. Als erster wünschte mir Papa ein gutes neues Jahr, dann übergab er den Hörer meiner Mutter. Helena bereitete Wein, Salzstangen und Schoko- ladentorte vor. Wir hörten Radio, und ich schlief mit der im
Munde zergehenden Creme ein.
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