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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
Entstehung
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Alles bereitet mir Schmerz, der Anblick des Himmels, der Straßen, durch die wir zusammen gegangen sind, der Klang der Musik, alles füllt mir die Augen mit Tränen und das Herz mit Bitterkeit; jede Kleinigkeit, die du getragen hast, die Krawatte, das Hemd, alles erinnert mich an dich. Manch- mal kommt es mir vor, als hörte ich das Lied, das auch du gesummt hast, dann ist mir, als zerrisse mir das Herz. Es gibt auf der Welt nichts mehr, das mich rühren, entflammen könnte. Ich suche dein Herz, deine Augen, dein Lächeln. Hier umgeben mich von allen Seiten Erscheinungen aus der Ver- gangenheit, und alle Straßen Warschaus, über die wir gemein- sam geschritten sind, haben sich gegen mich verschworen. Die Tage zerren mit ihrer Leere an mir herum, Tage ohne dich Tage, die es eigentlich gar nicht gibt.

Ich sehe dich oft im Traum. Fast jede Nacht wiederholt sich dieser Traum. Du bist bei mir. Ich sehe dich, Liebster, du beugst dich über mich. Ist es denn möglich, daß du zurück- gekehrt bist, daß ich dich wiedergefunden habe? Ein Gefühl der Freude überkommt mich, ein so niederschmetterndes Ge- fühl, wie es nur der Schmerz sein kann. Mein Herz erhebt sich zu dir. Ich strecke meine Hände aus. O du Verzweif- lung eines immer allzu frühen Erwachens! Einsam inmitten tiefer Nacht, einsam auf der sandigen Düne des Lebens, die ohne dich öde ist, strecke ich jede Nacht meine Hände zu der flüchtigen Erscheinung deiner lieben Arme aus. Der Traum ist meine einzige Zuflucht, die ich suche. Ich finde nur die Bitterkeit des Morgens wieder, und ich kann und kann mich von dir nicht für immer trennen. Ich dürste danach, dich zu sehen, und sei es nur noch ein einziges Mal.

Zum hundertsten und tausendsten Mal durchlebe ich das, was du durchgemacht hast, als man dich festgehalten, weg- geführt hat. Ich durchlebe deine Verhöre. Ich weiß, woran du gedacht, weiß, wie du dich verhalten hast. Ich weiß, Liebster,

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