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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
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Menschen!!! Mir braust es im Kopf dort erschlugen sie heute oder erschlagen im nächsten Augenblick meinen Mann! Aber das darf man niemandem sagen. Vielleicht werde ich es aber gerade sagen, vielleicht sollte ich gerade hinlaufen, mögen sie auch mich töten! Wenn zwanzigtausend Menschen ermordet werden, warum soll ich dann besser sein, warum soll ich am Leben bleiben? Ich schleppe mich vorwärts. Unbewußt überquere ich ein Feld und komme in eine kleine Gasse. Ich lehne mich an eine Mauer. Was soll ich tun? Es regnet ohne Unterlaß. Ich schaue durch Tränen und durch Regen auf den grauen trau- rigen Himmel. Gott! Gott, gibt es Dich, und wenn es Dich gibt, kannst du darauf herabsehen, das erlauben?! Gott Weltall Seele Unsterblichkeit, sind das alles nur leere, eitle Worte? Gibt es denn auf der Welt nichts anderes mehr außer Verbrechen und jenen, die vor ihm fliehen? Entschuldigen Sie, Fräulein, ist Ihnen nicht gut, sind Sie vielleicht krank? fragt mich ein armes Frauchen, mich bei der Hand nehmend. Ich sträube mich.Ach, nein, nein, mir ist gut, ganz gut, es geht mir herrlich, ausgezeichnet, ich bin ganz gesund bloß, daß sie dort schießen, töten und daß es regnet... Jureczek, du wirst heute leblos auf nasser Erde schlafen!!! Ich weine. Ich schließe die Augen halb und führe mit mir lange Gespräche. Mein Allerliebster, ist es wahr, daß du nicht mehr wieder- kommst? Ist es möglich, daß du für immer fortgegangen bist? Du bist mir doch im Leben unentbehrlich wie das Wasser, wie die Luft, du bist für mich der höchste Wert. Ich vergehe vor Sehnsucht, dich zu sehen, meine Hände nach dir auszu- strecken, den Kopf an deine Schulter zu legen. Du mein Teuerster, du mein über alles Geliebter. Einst, als es schien, daß uns nichts auf der Welt zu trennen vermochte, hast du mich fest in deinen Armen gehalten.

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