gewaltsamen, unvorhergesehenen. Es gibt auch einen, der in qualvollen Martern würgt— aber der schrecklichste ist der „deutsche“ Tod. Der Tod, den die Gestapo, die SS,SA und das Vernichtungskommando brachten, der Tod, der überall und immer auf den Menschen lauert, der sich an seinem Unglück, an seiner Angst weidet, der mit ihm spielt und sich mit ihm amüsiert, ehe er ihn verschlingt. Er trinkt ihm das Blut aus, trinkt, trinkt, verschluckt sich daran, wird von ihm betrunken und toll. Er nimmt dich in Besitz und lacht ohne Ende. Hast du Angst? Ich werde dich erwürgen, zermartern. Willst du leben? Das hast du nicht verdient. Ich werde mit allen fertig, ich werde vernichten, verbrennen und verzehren, ich, der Verbündete der Deutschen, ich, ihr Priester, ich, ihr Heiliger, ihre höchste Gottheit, ihr Symbol, ihre Ehre, ihre Aufgabe. Wann war das gewesen? Unlängst, aber vielleicht überhaupt nicht? Wann war denn das, in diesem Leben oder vielleicht irgendwann in einem früheren, vielleicht war es nur ein Schreckbild im Traum?
November. Lublin. Ich gehe über Felder, Wiesen, ich habe mich verirrt, nein, ich habe mich nicht verirrt, ich taumele wie eine Betrunkene und heule wie ein Hund, ich höre meine sonderbare Stimme. Es regnet, in meinen Holzpantoffeln schwappt das Wasser, mein Gesicht ist naß, es sind Tränen, weine ich? Aber vielleicht ist es Regen, vielleicht weint der Himmel über mir. Dort ist Jurek, dort ist Majdanek, das schreckliche Gefängnis, dort erschießen sie Menschen, zwan- zigtausend wehrlose, unschuldige Wesen.
Menschen!!! Hört ihr die Schüsse?
Ihr hört sie und tut, als wenn nichts geschähe, geht ruhig umher, erledigt eure Geschäfte, befaßt euch mit euren all- täglichen Angelegenheiten. Von Zeit zu Zeit, wenn das Knattern der Maschinengewehre zu euren Ohren dringt, sagt ihr: Dort wird aber geknallt! Ihr schüttelt dabei den Kopf, und das ist alles.
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