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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
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Aber vielleicht, vielleicht werden sie noch jemanden übrig- lassen, machte ich mir noch Illusionen, vielleicht werden sie ihn nicht töten? Ich hatte ihn bereits fast frei in meiner Nähe gehabt. Sollte er tatsächlich in dem Augenblick, da er schon fast in der Freiheit war, getötet worden sein?

Nach einigen Tagen hörte die Schießerei auf. Das Vernich- tungskommando fuhr weg, um Trawniki und Poniatöw zu bearbeiten. Die Zivilarbeiter bekamen von neuem Passier- scheine zur Arbeit im Lager. Der Dolmetscher fuhr endlich nach Majdanek und brachte mir die schlimmste Nachricht: man hat alle erledigt. Nur dreißig Gefangene aus der Lipowa- straße waren übriggelassen worden. Das war das Ende.

Ich fuhr wieder nach Warschau, nunmehr zum letztenmal. Der Zug stöhnte: Ende, Ende, Ende... Die Tränen rannen unaufhörlich. Mein Lebensziel war vernichtet. Jetzt mochte auch ich aufhören zu leben.

Warschau. Ich ging zu den Rakowskis. Die schmerzlichsten Erinnerungen gingen mir durch den Kopf. Was sollte ich der Schwiegermutter sagen?

Inka öffnete mir die Tür, wir küßten uns. Ich brach in Tränen aus.

Ich weiß, wir wissen, was in Lublin geschehen ist, sagte Inka. B

Jetzt saß ich in einem warmen behaglichen Zimmer. Ich war satt. Es war Ruhe. Ich wußte nicht, ob es eine täuschende oder eine dauerhafte Ruhe war, aber es war Ruhe. Mir drohte nichts, es war jemand da, der an mich dachte. Welch ein Glück war das. Und es gab doch Hunger, Kälte, endlose Einsamkeit und den Tod. Der Tod lauerte auf Schritt und Tritt, zeigte mir im Traum und im Wachen seine schartigen Zähne, blitzte mit seinen Augenhöhlen, lachte mit dem schrecklichen Brüllen der Schüsse. Es gibt verschiedene Arten von Tod. Es gibt einen ruhigen, der die Erlösung bringt, es gibt einen

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