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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
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gesehen hatte); ihre Aufgabe war, alle Judenlager aufzusuchen und zu gegebener Zeit zu liquidieren. Die ganze Liquidierung innerhalb weniger Tage durchzuführen, war eine Spitzen- leistung. Dazu brauchte man speziell geschulte Leute. Ge- wöhnliche Verbrecher der SS oder SA konnte man dazu nicht gebrauchen, die waren nur imstande, täglich höchstens bis zu einigen tausend Menschen zu liquidieren. Außerdem hatten sie einige Monate oder sogar ein ganzes Jahr lang mit den Juden zusammengelebt. Es war vielleicht vorgekommen, daß einer von ihnen einen Juden besser kennengelernt, einige Male mit ihm gesprochen und vielleicht einen Augenblick gedacht hatte, daß es kein böser Mensch, sondern genauso einer wie alle anderen sei, warum sollte man ihn da töten? Aber die deutsche Organisation war doch schließlich klug, superklug, die Deutschen sind doch schließlich ein voraus- schauendes Volk, man mußte dem also vorbeugen. Gewöhn- liche Mörder reichten hierfür nicht aus, man mußte schon eine ganze Gruppe von Erzmördern bis zur zweiten und dritten Potenz organisieren. Sie hatten sich also ein Vernich- tungskommando großgezogen. Ein Feld hatte man bereits auf diese Weise frei gemacht, indem man einen Teil der Gefan- genen durch Vergasung vernichtet und einen Teil in Reihen aufgestellt und niedergemäht hatte. Wenn die erste Reihe nach ihrer Erschießung in die von ihr selbst ausgehobenen Gruben gefallen war, schüttete die zweite Reihe die Leichen zu und grub für sich das Grab, in das sie ebenfalls hinein- fiel.

Im letzten Augenblick brach im Lager, wie seinerzeit im Ghetto, eine Revolte aus. Die offenbar schon längst vorberei- teten Handgranaten erfüllten ihre Aufgabe. Es wurden über zehn SS-Männer und Chargierte getötet. Eine kleine Rache, ein Tropfen im Meer. Die Revolte wurde erstickt. Die Schießerei hielt an. Ununterbrochen knatterten Maschinen- gewehre. Würden sie nun alle erledigen?