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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
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überhaupt nicht besaßen. Für manch einen war eine Zigarette wichtiger als das Essen.

Unsere Schupos waren keine Berufspolizisten, sondern dem Polizeidienst zugeteilte Reserve. Sie stammten überwiegend aus Berlin. Die meisten waren Handwerker. Sie waren nicht aus eigenem Willen hierhergekommen. Sie gehörten dem Regiment Nr. 23 in Tarnopol an. Es war ein Regiment, das den Kampf gegen Partisanen zur Aufgabe hatte. Von dort waren einige uns zugeteilt worden. Bei Hinrichtungen nah- men sie nicht an den Erschießungen teil. Es gab unter ihnen Sozialisten. Sie sagten, daß ihr jetziger Dienst auch für sie kein Vergnügen sei, aber was sollten sie machen? Was machte der Mensch nicht alles, um am Leben zu bleiben? An die Front zu gehen hatten sie keine Lust, weil das der sichere Tod war. Einige trösteten uns sogar und versprachen, uns zu verständigen, falls in der Politik eine Veränderung käme. Wenn die Mörder vom SD weggingen und nicht aufpaßten, kümmerten sich die Schupos nicht viel darum, ob wir arbei- teten oder nicht. Manchmal kam es vor, daß sie uns warnten, wenn sich jemand vom SD näherte. Aber nicht alle. Manche von ihnen taten es wiederum vor allem aus Geschäfts- gründen. Sie erhielten 3.50 Mark pro Tag. Wenn sie dagegen von uns ein Stück Gold bekamen, so war es ein Wert von einigen Tausend. Die Schupos rieten uns, zum Schein immer fröhlich zu sein, so zu tun, als wären wir mit unserer Arbeit zufrieden, denn ein böses Gesicht könnten wir mit dem Leben büßen.

Der Vormittag verging. Einige wuschen ihre Wäsche, sofern sie Wasser hatten, einige reinigten ihre Kleidung. Nach- mittags fand eine Durchsuchung statt, die ein Oberleutnant der Schupo durchführte. Es ging darum, festzustellen, ob jemand von uns eine Waffe, Federmesser, Messer o. ä. bei sich hatte. Nach dem Abendessen studierten wir ein Marsch- lied ein. Wir mußten doch den Befehl des Untersturmführers

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