nun auch schon ein Schabeisen, mit dem jeder seine Stiefel- sohlen sauberschabte. Nach einer Weile standen bereits alle auf dem Lagerplatz zum Appell vor dem Essen. Nach dem Appell wuschen sich alle Hände und Gesicht. Jeder scheuerte die Hände mit Sand. Die Haut der Hände wurde rot. Aber den Leichengeruch konnte man nicht so leicht beseitigen. Selbst wenn wir die Hände mit Lysol und Chlorkalk ge- waschen hätten, wäre der Leichengestank noch am nächsten Tage dagewesen.
Den Appell nahm heute der Sturmmann ab. Er war der jüngste im Rang, und wie es bei solchen in der Regel ist, wollte er nun gern zeigen, was er konnte. Er war der schlimmste von allen. Er zählte etwa 30 Jahre und stammte aus Bolechöw(Galizien). Er sprach gut polnisch und ukrai- nisch. Er hieß Reiss.
Nachmittags brachte das Auto 12 Kannen Wasser. Das waren ungefähr 360 Liter. Jeder bekam heute abend eine ausreichende Menge Wasser und konnte sich ordentlich waschen.
So verlief der Donnerstag.
6. KAPITEL
Neue Gräber. Das Herausziehen und Verbrennen der Leichen. Die Grube wird zugeschüttet, der Boden geebnet, Gras gesät
Freitag, der 25. Juni. Der Morgen verlief wie üblich. Heute machte man sich daran, neue Gräber zu öffnen. Diese Gräber befanden sich gegenüber der Längswand unseres Bunkers in einer Entfernung von etwa 20m. Hier waren drei Gräber, die über 700 Leichen enthielten. Bevor wir uns heute zur Arbeit begaben, erwähnte unser Chef, daß er ab Montag Gesang hören wolle, wenn wir zur Arbeit hinaus- gingen.
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