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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
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und wenn man in der Nacht nicht ausruhte und keine Kräfte zum Arbeiten hatte, so drohten einem am nächsten Tage unweigerlich Schläge oder eine Kugel. So zog sich die Nacht hin. Als es zu regnen aufhörte, schlummerten wir etwas.

Donnerstag, der 24. Juni. Der Morgen verlief wie gestern; der Untersturmführer, der mit der gestrigen Arbeit zufrieden war, weil über 2000 Leichen verbrannt worden waren, hielt an uns eine Ansprache.

Er war ein Mann von 40 Jahren, stramm, etwas über mittel- groß, mit unangenehm leuchtenden Augen. Er war fast immer betrunken, aber trotzdem ließ er niemals ein unnötiges Wort fallen. Er hieß Scherlack und stammte aus Berlin, aber seine Familie, das heißt seine Frau und seinen siebenjährigen Sohn, hatte er hier in Lwöw. Er war ein ausgezeichneter Ko- mödiant, aber dabei ein guter Wirtschafter.

Seine Ansprache begann er mit den Worten, die später sein Lieblingsausspruch wurden:„Nur anständig und sauber!“ Wenn er„sauber“ sagte, so meinte er damit das saubere Ge- wissen, denn wenn jemand flüchtete, würde man dafür 20 andere Menschen erschießen, folglich könnten diejenigen, durch deren Schuld es geschähe, kein sauberes Gewissen haben.„Wenn ihr euch an diese beiden Dinge halten werdet, so werdet ihr bei uns hundert Jahre leben. Aber“, hier hob er die Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger und schloß mit lächelnder Miene seine glänzenden Augen ein wenig,„ich werde für euch sorgen, wie ein Vater für seine Kinder.“ Er fragte uns aus, wie uns das heutige Frühstück und das gestrige Abendessen geschmeckt habe, und versicherte uns, daß das noch gar nichts wäre im Vergleich zu dem, was wir in der nächsten Zeit bekommen würden. Jeder von uns würde noch einen Anzug und ein Paar Stiefel erhalten, damit wir uns nach der Arbeit umziehen könnten. Er versprach uns, sich um Wasser zum Händewaschen zu kümmern, damit wir

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