Druckschrift 
Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
Entstehung
Seite
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Wir näherten uns dem Gebäude, in dem sich die Küche befand. Hier traten wir in einer Reihe mit dem Geschirr in der Hand an ein Fensterchen, neben das sich der Brigadier gestellt hatte und die Anzahl der empfangenen Mittagessen prüfte. Jeder schaute neugierig auf die Portionskelle, um zu sehen, was er wohl für eine Suppe bekam, ob sich wenigstens ein paar Graupen darin befanden, weil vor ihm einer ein solches Glück hatte, ein Stück Kartoffel in der Größe einer Bohne zu bekommen.

Ich hatte nun mein Essen und begab mich jetzt schnell auf die Suche, um mir zu der Suppe, die eigentlich nichts anderes war als abgekochtes Wasser, ein Stück Brot zu kaufen. Aber nicht jeder konnte sich zu seiner Suppe ein Stück Brot leisten. Außer einigen Zigaretten beim Ordner im Kloset konnte man hier jetzt nichts kaufen. Schließlich kam die Kolonne vom Friedhof, und bei einem aus dieser Brigade kaufte ich ein viertel Brot. Inzwischen war meineSuppe kalt geworden. Ich setzte mich wie alle anderen in der Nähe des Gebäudes, wo sich die Küche befand, auf die Erde und

vorbei, dem es gelungen war, zweimal Suppe zu bekommen, und der nun eine Suppe verkaufen wollte, um dafür eine Portion Brot zu erstehen.

Ich hatte mein Mittag aufgegessen und ging in den Wasch- raum, um die Schale abzuwaschen. Jetzt war es auch hier leer. Die abgewaschene Schale hängte ich, wie alle, an den Gürtel, den ich um den Leib trug.

Wir beendeten das Mittagessen und gruppierten uns, um wieder zur Arbeit zu gehen. Wir begaben uns hinter das Tor. Gleich auf der anderen Seite des Tores, gegenüber dem Wachhäuschen mit der Uhr, war an einem Balken des Turms, auf dem ein Askar Wache hielt, noch immer ein Bursche von etwa achtzehn Jahren festgebunden. Er war bläulichrot. Er schwieg, denn er hatte keine Kraft mehr, zu weinen. Sein

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