Ockenes
Mein Brigadier meldete die Anzahl seiner Leute und bekam den Befehl, weiterzumarschieren. Wir marschierten auf den Platz für Arbeitseinsatz. Hier warteten schon einige Briga- den. Plötzlich kam ein Ingenieur, derselbe, der jeden Tag da war, mit$S-Männern und suchte sich 75 Mann aus allen Brigaden aus. Ich war unter den Ausgesuchten. Er sagte, daß wir auf ein Auto warten sollten, wir würden eine Straße zwischen Kuliköw und Zölkiew bauen. Wir warteten also einige Minuten, aber das Auto kam nicht; wir erhielten da- her den Befehl, vorläufig Ziegel tragen zu gehen, aber wenn„Straßenbau Kuliköw—Zölkiew“ gerufen würde, uns sofort an der verabredeten Stelle zu versammeln. Der bekannte Lwöwer Boxer Groß, den der Lagerchef Willhaus schon mehrmals vor dem Tode gerettet hatte, als seine ganze Brigade auf die Piaski! ging, wurde unser Brigadier.
Es fing an zu nieseln.
Ich begab mich in die Werkstatt für Wasserleitungsanlagen. Ich ging dort gewöhnlich hin und half bei der Arbeit, denn der Ingenieur, der die Arbeit einteilte, hatte mir erlaubt, anstatt Ziegel zu tragen, als Gehilfe an den Werkbänken zu arbeiten. Dort fragte ich die älteren Männer um Rat, ob man die Äußerung, daß wir nach Zölkiew führen, nicht als einen Trick? anzusehen hätte. Ich sah fortwährend durchs Fenster der Werkstatt hinaus, von wo aus die Stelle zu sehen war, an der wir uns versammeln sollten, aber das Auto war immer noch nicht da. Man sah durch das Fenster, wie die Männer in einer Kette in gleichem Schritt mit gesenkten und traurigen Gesichtern je fünf Ziegel auf den Händen vor sich her
Wörtl. etwa„Sandgelände“; die mit diesem Namen bezeichnete öde Gegend ist während der deutschen Okkupation als Hinrichtungsgelände berüchtigt ge- worden.
Um Reaktionen der Verzweiflung seitens der todgeweihten Opfer sowie die damit verbundene Gefahr für sich selbst zu vermeiden, bemühten sich die Deutschen immer, ihre Mordabsichten bis zum letzten Augenblick mit ver- schiedenen Lügen zu tarnen.


