zogen, lernten schon als Kinder lesen und schreiben. Die Hölle, die sie in sich trugen und als echte Untermenschen über die Reichsgrenzen verbreiteten, ist das Inferno der kapi- talistischen Wirtschaftswelt in ihrer letzten Phase, die wir Imperialismus und Faschismus nennen, ohne daß uns mit diesen Worten stets auch das Geläute der Todesglocke und das Geheul Gefolterter und Ermordeter im Ohr klingt. Und gerade weil wir in diesen fünf Dokumenten immer wieder auf die Entschlossenheit zum Widerstand treffen, der wir vorhin einen Satz entlehnten, dürfen wir uns nicht von der Erkennt- nis abwenden, die der Lateiner in die Worte faßte: tua res agitur— deine Angelegenheit wird hier abgehandelt. Als deutscher Schriftsteller jüdischer Abkunft bin ich auf beiden Ebenen daheim, der großartigen des unbrechbaren Mutes wie auf der mit blinder Pflichterfüllung rasender Uralstürmerei. Und ich glaube, jeder Leser dieser Blätter, nichtjüdischer oder jüdischer Herkunft, muß irgendwie dies Gefühl teilen. Jeder Mitlebende fühlt sich auf unbestimmte Art mitschuldig an diesem Untergang aller Menschlichkeit, jeder Art von Gesit- tung, jeden Respekts vor dem als Kind wie er Geborenen. Und gleichzeitig Sozialist und Kämpfer gegen die Möglichkeit der Wiederkunft solchen Grauens, atmet er tief auf, weil offen- bar der Sieg den schöpferischen Kräften des menschlichen Durchschnitts gehört, gleichgültig welcher Hautfarbe oder Muttersprache. Im Jahre 146 vor unserer Zeitrechnung er- oberte und verbrannte der römische Feldherr Lucius Mummius die Stadt Korinth. In der Feuerglut der Tempel und Häuser schmolz dabei eine Legierung aus Gold, Silber und Erz zu- sammen, die später„Korinthisches Erz“ hieß und als kost- barstes Material der Antike galt. Die Menschen, von denen dieses Buch handelt und die aus der schrecklichsten Feuers- brunst vor dem Einbruch der Atombombe in unsere Welt hervorgegangen sind— sie und ihre Schilderungen ver- dienen den Ehrennamen„Korinthisches Erz“. Hätte man uns
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Im Feuer vergangen : Tagebücher aus dem Ghetto / mit einem Vorwort von Arnold Zweig ; übertragen von Viktor Mika
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