meiner alten Bekannten, Fräulein Spaeth, die mich mit dem obligaten
Tränenstrom begrüßte. Allmählich begann ich mich bereits zu genie- ren, daß ich über mich selber nicht auch so gerührt sein konnte! Aber ich war immer noch nicht ganz auf dieser Welt und begann allmählich zu glauben, dieses Abstandsgefühl würde ich nie mehr verlieren kön- nen. Doch nahm ich es als Gewinn und hielt die gewonnene Uner- schütterlichkeit für den gerechten Lohn meiner Leiden.
Abends sechs Uhr langte ich in Laufen an, wo ich auf Empfehlung von Frau Beck bei Familie Vöckersberger übernachtete. Dort erfuhr ich zum erstenmal,.daß in Berchtesgaden alles wohlerhalten und mein Eigentum unversehrt sei. Die Nachricht freute mich, doch war ich innerlich schon vorher so überzeugt gewesen, daß daheim nichts We- sentliches passiert sei, daß ich sie beinahe selbstverständlich aufnahm. Immerhin begann ich nun stärker heimzudrängen. Allmählich bemäch- tigte sich meiner doch so etwas wie ein Gefühl der Spannung. Schon um sechs Uhr früh, in der ersten Morgenfrische, brach ich auf. Gegen neun Uhr kam ich nach Salzburg; ich hatte das Bedürfnis, als ersten jemand zu sehen, dem ich im Innern wirklich verbunden war und da wußte ich mir niemand Besseren als meine langjährige Freundin Blanka D. In diesem Augenblick war sie der Mensch, dem ich von allen am ‚nächsten stand. Es war beinahe so, als traute ich mich nicht recht, noch einmal ins Leben zurückzukehren und suche gleich im vorhinein irgendeinen Schutz. Beim Betreten des Hauses bekam ich zuerst nur die übrige Familie, den Mann und die Kinder, zu sehen. Die Frau des Hauses kam erst später, etwa in einer halben Stunde, zurück. Ich spürte ihre tiefe Bewegung, als sie mich sah und auch in mir regte sich ein unbestimmtes Gefühl, aber immer noch war ich so erdenfern und völlig dem Irdischen abgewandt, daß alles Menschliche noch nicht recht in mich eindringen konnte. Aber zum erstenmal empfand ich, halb unbewußt, einen leichten Zweifel darüber, ob die mir ohne mein Zutun angewachsene Unerschütterlichkeit wirklich in allem ein Gewinn sei.
Am frühen Nachmittag setzte ich meine Reise fort. Endlich müsse ich
ja nun doch heimkehren, so sagte ich mir vor. Beim Grenzbauern am
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