Druckschrift 
Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
Seite
7
Einzelbild herunterladen

yon Note orree Ze-mrr ng our nu em

ERSTES KAPITEL

Als nach dem großen Zusammenbruch Musikdirektor Hans Knapperts- busch zum erstenmal nach zehn Jahren Verbannung vor das Münchner Opernpublikum trat, bedankte er sich für den Sturm des Beifalls, der sich erhoben hatte, mit den kurzen Worten:Meine Herrschaften, die tausend Jahre sind vorbei und ich bin wieder da. So ähnlich möchte auch ich sagen, denn als ich im Jahre 1936 den dritten Band meiner Erinnerungen abschloß, da nahm ich mir fest vor, den vierten nach dem Ende des dritten Reiches niederzuschreiben. Dieses mit absoluter Sicherheit erwartete Ereignis ist nun endlich zur Wahrheit geworden und so kann ich denn guten Mutes zu Werke gehen.

\ Vieles und Schweres hat sich ereignet in diesen neun Jahren, Schlim- meres wohl als ich jemals befürchtete, aber dennoch kann ich mit ruhiger Sicherheit behaupten: Mas ne Person betrifft, so ist mir letzten Endes doch alles zum Guten gereicht. Ich beginne im echtesten Sinne des Wortes ein neues Leben und durchschreite das offene Tor mit erwartungsvoller Bereitschaft, wohl versehen mit einem gemesse- nen Maße an neu gewonnener Lebensweisheit, zugleich aber mit er- höhter Aktivität, unerschütterlichem Selbständigkeitsgefühl und einem sicheren Wissen um das, was zu tun und zu lassen für mich wesent- lich ist.

Doch ich will wie immer den Gang der Ereignisse in chronologischer Ordnung darzustellen versuchen. Mit der Eröffnung meines Wiener Museums war ein gewisser Abschluß und ein scheinbarer Höhepunkt in meiner Lebensbahn erreicht. Ich sage mit Absicht: scheinbar; denn die fruchttragende Wirkung blieb aus. Die Zeitläufte verhinderten sie und der Totalität des Geschehens konnte sich niemand völlig entziehen. Gewiß, innerlich hielt ich mich frei und unabhängig, ja ich steigerte