manche zartbesaitete Leser auch klingen mag. Aber ich kann es: nicht verbergen, denn es ist die lautere Wahrheit!
Am nächsten Morgen hieß es, im amerikanischen Hauptquartier Alt- ötting würden für die Männer abermals neue Überprüfungsscheine ausgestellt, ohne die sich eine Weiterreise, nicht empfehle. Ich nahm dies nicht ungern zur Kenntnis, fast dankbar, für mein Dableiben einen Vorwand gefunden zu haben. Reihum besuchte ich meine volks- kundlichen Freunde, die Apothekerin Beck und den Herrn Öberlehrer Reindl, die sich förmlich darum stritten, mir ein Liebes zu tun, indem sie mich wiederholt zum Essen einluden und mich mit Kleidern und Wäsche versahen. Von hier nahm meine Reise beinahe triumphale Gestalt an; bei jeder Gelegenheit wurde ich als Wundertier und Held präsentiert, was ich zwar nicht ungern, aber innerlich doch ein wenig belustigt geschehen ließ.% Mit einer neuen deutschen Kennkarte und entsprechendem amerika- nischem Ausweis versehen, verließ ich am Samstag, den zwölften, morgens, auf Schusters Rappen das liebgewordene Häuschen der Frau Obermayer: Doch meine Fußwanderung sollte nicht lange dauern. Nach kaum einer Stunde holte mich ein Bauerngefährt ein, dessen Lenker, der Landwirt Nöhbauer aus Kastl, mich aufsitzen ließ. Natür- lich fragte er mich alsbald nach Ausgangspunkt und Ziel meiner Reise und als er meine Schicksale erfahren hatte, meinte er voller Anerken- nung:„Für an solchan wia du bist, reut mi gar nix, du fahrst jetzt mit mir nach Kastl auf mein’ Hof, da gib’ i dir was zum essen undıa Radl, daß’d net z’Fuaß lafa muaßt!“ Und auf meinen Hinweis, daß mir schon einmal ein Rad weggenommen worden sei:„Dös is mir a wurscht, nacha soll’s hin sei’, aber a Radl muaßt kriagn!“
Er hielt tatsächlich Wort, ein Knecht setzte eines der alten Räder, deren es auf dem stattlichen Hof mehrere gab, instand und bald nach neun Uhr fuhr ich wohlbestallt auf einem etwas wackligen Stahlroß nach Süden. Unterwegs mußte ich mehrmals flicken und erreichte gerade um Mittag Tittmoning. Am Stadtplatz traf ich einen Lastauto- fahrer, der mich am Nachmittag nach Laufen mitnehmen wollte. Na- türlich nahm ich das Angebot an. Die Pause benutzte ich zum Besuch
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